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König Viktor Emanuel III. wird nach der Verhaftung Mussolinis von der Bevölkerung gefeiert.

König Viktor Emanuel III. wird nach der Verhaftung Mussolinis von der Bevölkerung gefeiert.

Am 25. Juli vor 70 Jahren ließ König Viktor Emanuel III. den italienischen Diktator Benito Mussolini verhaften, nachdem dieser zuvor vom Großen Faschistischen Rat abgesetzt wurde. Die Absetzung erfolgte durch die Bitte des Rats an den König, seine vollen konstitutionellen Rechte nach Artikel 5 der offiziell gültigen Verfassung, dem Statuto Albertino, wahrzunehmen. Das Statuto Albertino wurde 1848 im Königreich Sardinien angenommen und besaß später auch für das vereinigte Königreich Italien Gültigkeit. Das Bemerkenswerte an diesem Vorgehen war jedoch, daß das Statut, welches für den Monarchen volle Exekutivgewalt ohne parlamentarische Verantwortlichkeit vorsah, zwar formell noch existierte, aber auch schon lange vor Mussolini nicht mehr angewandt wurde. Man kann also durchaus von einem Staatsstreich sprechen, der von König Viktor Emanuel wesentlich befördert wurde. Am selben Tag verzichtete der König zugunsten der rechtmäßigen Monarchen auch auf seine Titel als Kaiser von Äthiopien und König von Albanien und wenig später wurden Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten aufgenommen.

Der Krieg war bis dahin ein völliger Fehlschlag für Italien und es war nicht nur das Kolonialimperium in Afrika verlorengegangen, auch hatten die Alliierten schon weite Teile Siziliens erobert. Italien wurde von den Alliierten zurecht als wunder Punkt der sogenannten Festung Europa ausgemacht und eine Landung auf dem Festland stand unmittelbar bevor, weswegen ein Ausscheiden aus dem Krieg dringend geboten schien, wollte man moderate Friedensbedingungen. Witze über die italienischen Kriegsanstrengungen sind noch heute recht populär, jedoch hat das Abschneiden des italienischen Militärs im 2. Weltkrieg auch objektive Gründe: Der Krieg war unpopulär. Außer nach Ansicht einer Minderheit von Ultranationalisten, die von einem Mittelmeerimperium nach römischem Vorbild träumten, sah die Masse der Italiener keinen Sinn in dem Waffengang. Die italienische Armee war außerdem schlecht geführt, ausgerüstet und ausgebildet und auf einen modernen Krieg nicht vorbereitet.

Mit Bildern von König Viktor Emanuel III. und Kronprinz Umberto ziehen begeisterte Italiener durch die Straßen.

Mit Bildern von König Viktor Emanuel III. und Kronprinz Umberto ziehen begeisterte Italiener durch die Straßen.

Ohne die Verhaftung Mussolinis wäre der Kriegsverlauf daher zwar sicher nicht entscheidend verändert oder auch nur verlangsamt worden. Dennoch kann Viktor Emanuel III. attestiert werden, daß er seinem Volk viel Leid erspart hat: Nicht nur, daß das Besatzungsregime in Italien viel milder war, als es später in Deutschland sein sollte. Auch war seine Dauer viel kürzer und während des Krieges kam es weitgehend nicht zu Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung, wie es gegen die deutschen Städte der Fall war.

Gedankt wurde Viktor Emanuel III. dieses Engagement freilich nicht. 1946 kam es zu einer manipulierten Volksabstimmung über die Staatsform Italiens für die er zugunsten seines nicht in die Politik des 2. Weltkrieges involvierten Sohnes Umberto II. abdankte, um die Monarchie zu retten. Mit offiziellen 54 % entschieden sich die Italiener, die wählen durften, gegen die Monarchie. Es durften aber nicht alle wählen: Die mit hoher Mehrheit königstreuen italienischen Staatsbürger der Stadt und Region Triest, deren Zugehörigkeit damals zwischen Italien und Jugoslawien noch nicht geklärt war, wurden beispielsweise an einer Teilnahme an der Abstimmung gehindert. Außerdem kam es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten. Der Ministerpräsident Alcide De Gasperi wartete das Wahlergebnis aber gar nicht erst ab und zwang die königliche Familie schon lange vor dem Vorliegen der offiziellen Resultate dazu, das Land bei Wiedereinreiseverbot zu verlassen. Seitdem ist Italien eine politisch instabile Bananenrepublik, in der sich Präsidenten und Ministerpräsidenten die Klinke in die Hand geben und kaum einmal eine Amtszeit zu Ende bringen, beziehungsweise durch ihren Lebenswandel und ihre Amtsführung zu Gespött und Sorge Europas werden.

Nach der Abdankung von König Viktor Emanuel III. wird am 9. Mai Umberto II. für 33 Tage zum König von Italien. Dieses Bild vom Tag seines Amtsantritts spricht eine etwas andere Sprache als das manipulierte Referendum, welches zum Ende der Monarchie in Italien führte.

Nach der Abdankung von König Viktor Emanuel III. wird am 9. Mai Umberto II. für 33 Tage zum König von Italien. Dieses Bild vom Tag seines Amtsantritts spricht eine etwas andere Sprache als das manipulierte Referendum, welches zum Ende der Monarchie in Italien führte.

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