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Freiherr Karl Otmar von Aretin wird 90 Jahre alt

Ein Neunzigjähriger ist wie ein lebendes Geschichtsbuch. Den Beweis dafür liefert Freiherr Karl Otmar von Aretin, der am heutigen 2. Juli seinen 90. Geburtstag feiern kann.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) erinnert an Freiherrn von Aretin und sie vergißt in ihrem Artikel auch seinen Vater nicht:

Erwein Freiherr von Aretin war von 1926 an der innenpolitische Leitartikler der „Münchner Neuesten Nachrichten“ gewesen. Als Berater des Thronprätendenten Rupprecht war er 1932 an Überlegungen beteiligt, die Machtübernahme Hitlers durch die Restauration der bayerischen Monarchie abzuwenden. Am 9. März 1933 wurde er verhaftet, später auf das Gut seiner Schwester in Württemberg verbannt.

Die heute wenig bekannten Bestrebungen bayerischer Royalisten, die Nationalsozialisten aus Bayern fernzuhalten durch die Wiedereinführung der Monarchie, bildeten den Mittelpunkt eines Referats, das Freiherr von Aretin am 27. September 2008 auf dem 1. Monarchieforum in Laufen an der Salzach hielt. Vor den Forumsteilnehmern erläuterte Freiherr von Aretin Das Scheitern der Weimarer Republik, Widerstand in der bayerischen Monarchistenbewegung gegen das NS-Regime in den Jahren 1932-33; Versuche zur Wiedereinfürung der Monarchie in den Jahren 1950-52  und sagte dabei unter anderem:

Hinter diesem etwas merkwürdigen Titel verbirgt sich eigentlich die Geschichte der Möglichkeiten in Bayern wieder eine Monarchie einzurichten, die zwei mal eigentlich relativ nahe an der Verwirklichung war. Das Ende der Monarchie 1918 kam für viele überraschend.

Für Fritz Schäffer [1949/57 Bundesfinanzminister; 1957/61 Bundesjustizminister] war die Restaurierung der bayerischen Monarchie die letzte Möglichkeit eine Diktatur Hitlers zu verhindern. Diese Frage spielte bei den bayerischen Monarchisten zum Teil nur eine untergeordnete Rolle, sie wollten einfach die Monarchie. In den Nationalsozialisten sahen sie sogar einen Verbündeten im Kampf gegen die Weimarer Republik. Die Idee Schäffers die demokratischen Kräfte unter einem König Rupprecht zusammenzufassen wurde von einigen Monarchisten wie Erwein Aretin oder Eugen Fürst Oettingen-Wallerstein, aber auch von Kronprinz Rupprecht geteilt. Der strebte eine parlamentarische Monarchie an, in der die Politik von den Parteien mitbestimmt wurde. Daher war, als die Frage der bayerischen Monarchie am Jahresende 1932/33 akut wurde, die Haltung der Parteien zu Kronprinz Rupprecht so wichtig. Durch mehrere Tagungen des Heimat- und Königbundes im Dezember 1932 und Januar 1933 wurde die Diskussion um die Monarchie in die Öffentlichkeit getragen. Die Redaktion der Münchner Neuesten Nachrichten stand angesichts der Krise der Republik auf Seite der Monarchisten. Professor Paul Nikolaus Kossmann, einer der Herausgeber der Münchner Neuesten Nachrichten und der Süddeutschen Monatshefte war für die Monarchie als Rettung vor den Nationalsozialisten gewonnen. Die Süddeutschen Monatshefte spielte eine ähnliche Rolle, wie heute der Spiegel. Das Januarheft trug den Titel „König Rupprecht“.

Warum der Rettungsversuch scheiterte, kann jeder im Referat erfahren. Auch nach dem 2. Weltkrieg sahen die bayerischen Monarchisten gute Chancen für die Einführung der Monarchie. In der begleitenden Ausstellung zum Monarchieform lagen Dokumente zum Thema – wie eine Originalausgabe der Sonntagspost. Freiherr von Aretin widmete diesem Abschnitt der bayerischen Geschichte den zweiten Teil seines Referats.

Kronprinz Rupprecht meldet auch nach dem 2. Weltkrieg seine Rechte an.

Kronprinz Rupprecht meldet auch nach dem 2. Weltkrieg seine Rechte an.

Am 16. Oktober [1945] legte [Kronprinz Rupprechts Hofmarschall Franz Freiherr von] Rettwitz den Antrag zur Zulassung der Königspartei der amerikanischen Militärregierung vor. Für die Amerikaner war das eine unangenehme Situation, aber am 23. Januar ’46 haben sie dann die Königspartei für den Stadtkreis München zugelassen. Die Königspartei hatte in der amerikanischen Militärregierung keine Sympathien. Dort waren damals ziemlich abenteuerliche Gestalten in der amerikanischen Militärregierung bestimmend und die waren immer noch vom festen Glauben überzeugt, daß die eigentlichen Gegner der Nationalsozialisten die Kommunisten waren.

Eine Gründungsversammlung der Königspartei im Prinzregententheater unter der Leitung des Chirurgen Max Lipzsche verlief glanzvoll. Die Gründung einer monarchistischen Partei schien geglückt. Am 10. Mai 1946 wurde die Königspartei von der Militärregierung verboten. Wie stark der monarchistische Gedanke in diesem Frühjahr ’46 noch in Bayern lebte, ist nicht abzuschätzen. Jedenfalls bedeutete dies das Ende aller Versuche in Bayern die Monarchie wieder einzuführen. Kronprinz Rupprecht hatte sich in diesen Monaten noch großen Hoffnungen hingegeben. In der von den Amerikanern herausgegebenen neuen Zeitung erschien am 2. Februar 1946 ein Interview mit ihm, in dem er seine Idee einer modernen parlamentarisch-konstitutionellen Monarchie erläuterte. Mit dem Verbot der Königspartei war ein Schlußpunkt gesetzt.

Freiherr Karl Otmar von Aretin trat auch mit journalistischen Arbeiten in die Fußstapfen seines Vaters, mit Artikeln in der „Süddeutschen Zeitung“, dem Nachfolgeblatt der „Münchner Neuesten Nachrichten“, und Filmen für den Bayerischen Rundfunk. Von 1959 bis 1965 war er Deutschland-Korrespondent der linkskatholischen Wiener Wochenzeitung „Die Furche“. Auf Empfehlung von Eugen Kogon wurde er 1964 auf den Lehrstuhl für Zeitgeschichte der TU Darmstadt berufen.

Seine Zuhörer vom 1. Monarchieforum gratulieren dem Jubilar und wünschen ihm noch viele erfolgreiche Schaffensjahre.

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