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Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte: landgraf Moritz auf der Hochzeit von Prinz Georg Friedrich und Prinzessin Sophie von Preußen am 27. August 2011 in Potsdam.

Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte: Landgraf Moritz auf der Hochzeit von Prinz Georg Friedrich und Prinzessin Sophie von Preußen am 27. August 2011 in Potsdam.

Der Chef des Gesamthauses Hessen, SKH Landgraf Moritz von Hessen, starb am 23. Mai im Alter von 86 Jahren in einem Frankfurter Krankenhaus an einem Lungenleiden.

Geboren wurde Prinz Moritz Friedrich Karl Emmanuel Humbert von Hessen am 6. August 1926 auf Schloß Racconigi im Piemont, dem Stammland seiner Mutter, der Savoyer Prinzessin Mafalda. Ihr Bruder, Kronprinz Umberto, bestieg 1946 als König Umberto II. den Thron Italiens. Prinz Moritz‚ fünfter Vorname Humbert ist die deutsche Schreibweise für Umberto. 1980 folgte Prinz Moritz seinem Vater, Landgraf Philipp von Hessen, als Chef des Hauses Hessen (Hauptlinie Hessen-Kassel) nach und vereinte das Haus als Erbe seines Adoptivvaters Landgraf Ludwig von Hessen und bei Rhein mit der zweiten Hauptlinie (Hessen-Darmstadt). Als Chef des Gesamthauses Hessen stand ihm der traditionelle Titel „Landgraf“ zu, eine Reminiszenz an den Titel, den der Herrscher des  Lands Hessen-Kassel vor der Rangerhöhung zum Kurfürsten führte.

Prinz Heinrich Donatus von Hessen und Gräfin Flora von Castell-Faber heirateten 2003.

Prinz Heinrich Donatus von Hessen und Gräfin Floria von Castell-Faber heirateten 2003.

Sein Nachfolger als neuer Chef des Hauses Hessen ist sein ältester Sohn, SKH Landgraf Heinrich Donatus Philipp Umberto von Hessen, geboren am 17. Oktober 1966 in Kiel, seit 2003 verheiratet mit Landgräfin Floria, geborene Gräfin zu Faber-Castell. Das Paar hat drei Kinder: Prinzessin Paulina Elisabeth Adelheid Tatiana Suzanne von Hessen (*26. März 2007), Erbprinz Moritz Ludwig Georg Wolf von Hessen (*26. März 2007) und Prinz August von Hessen (*24. August 2012).

Der verstorbene Landgraf Moritz war der älteste Sohn von Prinz Philipp von Hessen und Prinzessin Mafalda von Italien, der zweiten Tochter König Viktor Emanuels III. und Königin Elena von Italien, eine geborene Prinzessin von Montenegro, Urenkel von Kaiser Friedrich III. und Ururenkel von Königin Victoria und Schwester von König Umberti II. von Italien (1904 – 1983).

Die finnische Königskrone, die für König Väinö I. angefertigt wurde.

Die finnische Königskrone, die für König Väinö I. angefertigt wurde.

Prinz Moritz war auch Enkel von Landgraf Friedrich Karl von Hessen (1868 – 1940), der 1918 zum König von Finnland gewählt wurde und in diesem skandinavischen Land unter dem Namen König Väinö I. bekannt ist. Den finnischen Monarchisten (ja, die gibt es!) gilt der Hauschef Hessen als Prätendent für den finnischen Thron.

Landgraf Moritz entstammte der Linie Hessen-Rumpenheim, die direkt auf die Hauptlinie Hessen-Kassel des Hauses Hessen zurückgeht. Noch als Prinz Moritz von Hessen-Kassel wurde er 1960 von Landgraf Ludwig von Hessen und bei Rhein, dem kinderlosen Oberhaupt der anderen Hauptlinie Hessen-Darmstadt im Haus Hessen, adoptiert sowie als Erbe eingesetzt. Fast alle Angehörigen des Hauses Hessen-Darmstadt kamen am 16. November 1937 bei einem Flugzeugabsturz in Ostende, Belgien, ums Leben. Mit dem Tod Landgraf Ludwigs 1968 endete die vierhundertjährige Geschichte des mit der Erbteilung unter den Söhnen Landgraf Philipps des Großmütigen begründeten Hauses Hessen-Darmstadt, dessen Tradition die in Darmstadt unvergessene Prinzessin Margaret noch fast dreißig Jahre fortführen sollte bis mit ihrem Tod 1997 auch das letzte Mitglied des großherzoglichen Hauses starb. Durch den Erbgang wurden die beiden seit 1567 getrennten Hauptlinien in der Person von Prinz Moritz wieder vereinigt.

Landgräfin Mafalda von Hessen, Prinzessin von Italien, gestorben im Konzentrationslager Buchenwald 1944.

Landgräfin Mafalda von Hessen, Prinzessin von Italien, gestorben im Konzentrationslager Buchenwald 1944.

Der in seiner Jugend Maurizio d’Assia genannte Prinz Moritz von Hessen verbrachte seine ersten Lebensjahre in Rom und Kassel. Nach dem Tod seiner Mutter Mafalda 1944 im KZ Buchenwald (So wird sie im angelsächsischen Raum charakterisiert: During WW II Adolf Hitler referred to Landgravine Mafalda as the ‘trickiest bitch’ in the Savoyard royal family.) wuchs er in Kronberg im Taunus auf. Nach seinem Einsatz im Kriegsdienst als Luftwaffenhelfer in Kassel studierte er Landwirtschaft. Er verwaltete das Gut Panker in Schleswig-Holstein, wo auch die vier Kinder aus der Ehe mit Prinzessin Tatiana zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg zur Welt kamen. Er brachte einen beachtlichen Teil des Familienvermögens beider Häuser in die Hessische Hausstiftung ein und leitete als Vorsitzender der Stiftung die Verwaltung des historischen Kulturbesitzes.

Beisetzung

Die Beisetzung sei am 3. Juni, sagte eine Sprecherin der Hausstiftung. Um 12 Uhr sei eine öffentliche Trauerfeier in der Johanniskirche in Kronberg im Taunus geplant. Anschließend werde der Verstorbene im engsten Familienkreis beerdigt. Er lebte zuletzt in Schloss Wolfsgarten bei Langen in Südhessen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte: „Mit Landgraf Moritz von Hessen verlieren wir einen geschätzten Kunstförderer und Unternehmer, der uns als Bewahrer hessischer Geschichte in Erinnerung bleiben wird.“ Der Verstorbene habe sein Leben dem Erhalt und der Förderung von Kunst und Kultur gewidmet und damit ein  beachtliches Lebenswerk hinterlassen. „Wir werden den Charme und die Liebenswürdigkeit des Landgrafen Moritz von Hessen vermissen, der durch sein unermüdliches Schaffen die Kulturlandschaft unseres Landes nachhaltig geprägt hat.

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