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Das Tor zu Haus Doorn bleibt geöffnet.

Das Tor zu Haus Doorn bleibt geöffnet.

Der ehemalige Exilsitz Kaiser Wilhelms II., Haus Doorn, bleibt auch nach der Halbierung der staatlichen Subventionen durch das Königreich der Niederlande geöffnet, jedoch ändert sich das Konzept des Museums: Künftig wird es sich auch dem 1. Weltkrieg widmen. Direktor Sietsma erwartet sich davon ein Ansteigen der Besucherzahlen, da das Thema außer für Deutsche und Holländer auch für andere Europäer interessant sei. Die Belegschaft des Hauses mußte nach der Streichung eines großen Teils der Fördergelder jedoch entlassen werden. In Zukunft werden nur noch Ehrenamtliche den Besucher- und Geschäftsbetrieb in Haus Doorn aufrechterhalten.

Kaiser Wilhelm II. in Freizeitkleidung auf seiner Yacht Hohenzollern. Wird sein Exilsitz Haus Doorn dem 1. Weltkrieg gewidmet, steht zu befürchten, daß sein Wirken auf die vier Jahre des Krieges reduziert wird.

Kaiser Wilhelm liebte Dackel, Erdmann (*1890 – †1901) war, neben Hexe, Dachs und Liesel, sein Lieblingstier. Er nahm sie auch auf seiner Yacht Hohenzollern mit. Wird sein Exilsitz Haus Doorn dem 1. Weltkrieg gewidmet, steht zu befürchten, daß sein Wirken auf die vier Jahre des Krieges reduziert wird.

Der 1. Weltkrieg, dessen Ausbruch im kommenden Jahr zum einhundertsten Mal wiederkehrt, ist sicher ein wichtiges Thema, welches der Behandlung wert ist. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, daß dieses Thema in einer Nation behandelt wird, die im 1. Weltkrieg neutral war, da so ein fairer und neutraler Umgang mit der Geschichte wahrscheinlicher wird, als dies in einem der teilnehmenden Staaten und vor allem in der offiziösen Geschichtsschreibung der Bundesrepublik zu erwarten wäre. Durch die ständige Präsenz der persönlichen Habe Wilhelms II. im Museum steht auf der anderen Seite jedoch zu befürchten, daß wieder eine zu starke Fokussierung auf die Rolle des Kaisers bei Kriegsausbruch und im Krieg stattfindet, die andere bedeutende Faktoren in den Hintergrund treten läßt: Was etwa trugen die französischen Revisionisten zum Kriegsausbruch bei? Mußte Rußland nach der Kriegserklärung an Österreich auch an der deutschen Grenze mobilmachen? Was hatte es mit dem Bruch der griechischen Neutralität durch Großbritannien im Jahr 1916 auf sich? Und schließlich: Hatte das deutsche System der patriarchalen, aber auch sozialen Monarchie Vorteile gegenüber seinen vielleicht demokratischeren Gegnern Frankreich und England, die jedoch ihren Bürgern und Arbeitern keinerlei soziale Sicherheit boten und auch in Wissenschaft und Wirtschaft schon lange ins Hintertreffen geraten waren? Es wäre von den Verantwortlichen zu viel verlangt, sich diesen Fragen zu stellen, da ja auch in Deutschland für ihre Beantwortung kaum Mut vorhanden ist. Sollte der Kaiser, der den Krieg nachweislich nicht wollte und zu verhindern suchte, eine gerechte Behandlung erfahren, wäre dies schon viel.

Ob das neue Konzept des Museums also tatsächlich funktioniert, muß sich zeigen. Man darf gespannt sein.

Mehr Informationen zum letztregierenden deutschen Kaiser hält die empfehlenswerte Webseite Wilhelm II. bereit.

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