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Der junge Leutnant Ewald-Heinrich von Kleist.

Der junge Leutnant Ewald-Heinrich von Kleist.

Als der wohl letzte prominente Teilnehmer an der Verschwörung des 20. Juli 1944 gegen das damalige deutsche Staatsoberhaupt Adolf Hitler ist am 8. März 2013 Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin gestorben. Er wurde 90 Jahre alt. Während der damalige Oberleutnant am 20. Juli 1944 nur eine untergeordnete Rolle spielte und regierungstreue Einheiten in Berlin entwaffnen sollte, hätte ihm die Geschichte wenige Monate davor eigentlich eine Hauptrolle zugedacht: Kleist sollte sich während einer Uniformvorführung vor Hitler zusammen mit dem Diktator in die Luft sprengen. Wie viele andere Versuche scheiterte aber auch dieser Plan, weil der Termin für die Vorführung immer wieder verschoben und letztlich abgesagt wurde.

Bevor er gegenüber den anderen Hitler-Gegnern einwilligte, daß Attentat durchzuführen, erbat sich der junge Oberleutnant, dazu die Erlaubnis von seinem Vater einzuholen. Freimütig bekannte Kleist in diesem Zusammenhang später, daß er gehofft habe, daß sein Vater versuche, ihn von der Idee abzubringen. Der Vater jedoch, ein überzeugter Monarchist, der sich in der Weimarer Republik für die Restauration der Monarchie einsetzte und dem Nationalsozialismus von Beginn an ablehnend gegenüber stand, reagierte anders, als von Kleist erwartet, und sagte knapp: „Du mußt das tun. Wer in einem solchen Moment versagt, wird nie wieder froh im Leben.“ Welcher Vater in unserer Zeit, in der man sich so gerne von so vielem distanziert, weil es einen selbst oder einem geliebten Menschen nicht das Geringste kostet, hätte seinem Sohn wohl eine ähnliche Empfehlung gegeben?

Während der Vater noch kurz vor Kriegsende für seine Opposition zum Nationalsozialismus, aus der er nie einen Hehl gemacht hat, in Berlin-Plötzensee gehängt wurde, überlebte der Sohn den Krieg trotz zeitweiliger Internierung in einem Konzentrationslager und Folter. Später setzte er sich für die Wiederbewaffnung Deutschlands ein und gründete den Vorläufer der heutigen Münchner Sicherheitskonferenz. Er starb als im In- und Ausland  gleichermaßen anerkannter Mann (siehe zum Beispiel Süddeutsche ZeitungThe New York Times oder The Daily Telegraph)

In letzter Zeit wurde von offizieller Seite in der Bundesrepublik oft beklagt, daß es kaum noch Zeitzeugen gibt, die den Nationalsozialismus selbst bewußt erlebt haben, was die Erinnerung an jene dunklen Tage erschwert. Gerade in bezug auf die Männer des 20. Juli ist dies in der Tat bedauerlich, denn es kann gar nicht oft genug gesagt werden, daß sie mehrheitlich keine Republik, sondern eine Erbmonarchie unter den Hohenzollern wollten und in einer langen preußischen Tradition handelten, welche von Freiherr von der Marwitz über Graf Yorck von Wartenburg bis eben hin zu jenen Verschwörern des Jahres 1944 geht und vorsieht, daß eigene Gewissen auch in Extremsituationen allen anderen Dingen voranzustellen. Diese Haltung ist das genaue Gegenteil des Preußen später zu Unrecht angedichteten Kadavergehorsams.

L.R.

Prinz Louis Ferdinand von Preußen und der Widerstand

In seinen Lebenserinnerungen Die Geschichte meines Lebens (Göttinger Verlagsanstalt, 1969, Seite 300) schreibt SKH Prinz Louis Ferdinand von Preußen über seine Begegnung mit Ewald von Kleist-Schmenzin:

Ich traf Goerdeler nur noch ein einziges Mal, neun Monate später in Berlin. Im März 1943 bat mich Otto John unter einem geschäftlichen Vorwand dringend nach Berlin zu kommen. Die Situation der Verschwörer wurde immer schwieriger, je länger sie zögerten oder zögern mußten; Hitlers und Himmlers Mißtrauen wuchs sozusagen täglich.

Diesmal trafen wir uns nun im Hause des Vaters der beiden Brüder Bonhoeffer, des bekannten Psychiaters, der aber abwesend war. Außer Jakob Kaiser und Rechtsanwalt Dr. Wirmer war Ewald von Kleist anwesend, den ich bis dahin nicht kannte. Besonders er drang auf baldiges Handeln; die Frontgenerale schienen nicht den Mut zu einer Aktion zu haben, darum müsse man es mit dem Ersatzheer versuchen. Mit großem Nachdruck appellierten alle an mein vaterländisches Pflichtgefühl: ich solle als rechtmäßiger Kronprätendent das Signal für die jetzt noch unentschlossen zögernden Armeeführer und Generale geben. Ich erklärte mich zu einem solchen Schritt bereit, falls die Situation ihn nötig mache, hielt es aber für falsch, meinen Vater zu übergehen. Es war unmöglich aus Gründen der Legitimität und zum anderen unklug, weil General Beck dem Kronprinzen [Wilhelm] sehr ergeben war.

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