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Wie in jedem Jahr, so werden die französischen Royalisten am 20. Januar in Paris mit einem Fackelzug und einem Gottesdienst in der église de la Madeleine (18:00 Uhr) der Ermordung König Ludwigs XVI. am 21. Januar 1793 gedenken. Dieses Mal jährt sich der Tod des Königs zum 220. Mal und auch an zahlreichen anderen Orten in Frankreich finden Veranstaltungen zu Ehren Ludwigs XVI. statt. (Eine Liste mit 47 Orten ist auf Chrétienté.info zu finden, dort wird auch auf deutschlandnahe Orte wie Straßburg und Mühlhausen im Elsaß verwiesen.)

LouisXVIEs ist überliefert, daß der König vor seinem Tod die Haltung bewahrte, seinen Peinigern vergab und den Franzosen wünschte, daß sein Blut das Glück der Franzosen zementieren solle.

Auch ist überliefert, daß die Leiche König Ludwigs XVI. kurz nach seiner Hinrichtung von der auf dem heutigen Place de la Concorde versammelten Menschenmenge gefleddert wurde. Dies geschah jedoch nicht aus Haß gegen die Monarchie, sondern weil zahlreiche Menschen im Angesicht des Verbrechens ihre Taschentücher mit dem Blut des Märtyrerkönigs tränkten oder versuchten, sich Besitztümer des Königs als Reliquie zu nehmen.

Mit Postern wurde in ganz Frankreich auf die Bluttat von 1793 hingewiesen.

Mit Postern wurde in ganz Frankreich auf die Bluttat von 1793 hingewiesen.

Die französischen Royalisten sehen im Tod des Königs den Vorboten der Totalitarismen, welche Europa im 20. Jahrhundert heimsuchten: Die 1. Französische Republik ließ im Namen der Nation und Menschlichkeit alle Andersdenkenden verfolgen und ermordete zahlreiche unter ihnen, führte zunächst einen Verteidigungs-, jedoch später einen Angriffskrieg gegen ganz Europa und hielt ihr Heilsversprechen einer gerechteren Gesellschaft nicht ein. Ironischerweise war es aber gerade Ludwig XVI., der Zeit seines Lebens versuchte, die Steuerlast nicht nur von den Armen schultern zu lassen, sondern auch das reiche städtische Bürgertum und den Adel stärker zu belasten. Die Revolution resultierte letztlich aus nichts anderem als der Weigerung dieser beiden Gesellschaftsschichten, Steuern zu zahlen. Es war Adel und städtischen Bürgern ein leichtes, die Menge gegen den König zu vereinnahmen, dessen Finanzpolitik durch ihre Blockade keinerlei Erfolg vergönnt war. Der König wurde hingerichtet, weil er den Armen helfen wollte. Hätte er sich nicht ihretwegen mit den Mächtigen angelegt, hätte die Französische Revolution nie stattgefunden.

Die Neigung der modernen Historiker, die Französische Revolution als Befreiung der Menschheit zu interpretieren, ist also grotesk. Neben dem hohen Blutzoll, den Frankreich und Europa für den revolutionären Eifer zu zahlen hatten, wurden die sozialen Gegensätze durch die Beseitigung des Ancien Régime nicht geringer, sondern zementiert. Soziale Errungenschaften für die Armen sollte Frankreich erst viel, viel später einführen, als es etwa das Deutsche Kaiserreich unter Bismarck tat. Die wechselnden französischen Republiken des 18. und 19. Jahrhunderts blieben bis auf ganz wenige Ausnahmen eine geschlossene Gesellschaft von Oligarchen. Die Interpretation der Ermordung des Königs als Urkatastrophe der Moderne durch die französischen Royalisten ist insofern korrekt. Es handelt sich nicht nur um eine französische, sondern um eine europäische Tragödie.

L.R.

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