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Erzherzog Christoph heiratete am 29. Dezember 2012 in Nancy Adélaïde Drapé-Frisch.

Erzherzog Christoph heiratete am 29. Dezember 2012 in Nancy Adélaïde Drapé-Frisch.

Die Nachrichtenagentur AFP (Agence France Presse) genießt eigentlich einen guten Ruf. Auch die Tageszeitung Die Welt hat Konkurrenten, die für unzuverlässiger gehalten werden. Doch was geschieht, wenn Die Welt einen Bericht von AFP abdruckt? Ein Lehrer würde mit seinem Rotstift ein Blutbad der Korrekturen anrichten.

An dieser Stelle soll der Bericht Spross aus Kaiserfamilie heiratet Diplomatentochter unter die Lupe genommen werden.

Erzherzog Christoph von Habsburg-Lothringen, ein Spross der österreichischen Kaiserfamilie, hat in der ostfranzösischen Stadt Nancy geheiratet. Im Beisein mehrerer europäischer Adelsfamilien, unter anderem aus Luxemburg und Liechtenstein, gab der 24-Jährige der Französin Adélaïde Drapé-Frisch das Jawort.

Es gibt keine Erzherzöge von Habsburg-Lothringen, nur Erzherzöge von Österreich.

Christoph von Habsburg-Lothringen ist der zweite Sohn von Prinzessin Marie-Astrid von Luxemburg und Erzherzog Carl-Christian von Österreich.

Prinzessin Marie-Astrid von Luxemburg heiratete am 6. Februar 1982 den Erzherzog Carl-Christian von Österreich, Sohn Erzherzog Karl-Ludwigs von Österreich (1918-2007), seinerseits Sohn des Kaisers und Königs Karl von Österreich-Ungarn. Sie ist deshalb Erzherzogin Marie-Astrid von Österreich.

Zugleich ist er ein Großneffe des letzten österreichischen Kaisers Karl I., der im November 1918 abdanken musste.

Der Bräutigam ist ein Urenkel Kaiser Karls, der nie abdankte und weder auf die Krone Österreichs noch auf die Ungarns verzichtete. Am 11. November 1918 hat er lediglich auf „jeden Anteil an den Staatsgeschäften“ verzichtet. Im März 1919 widerrief Kaiser Karl den Verzicht. Erzherzog Christoph ist jedoch ein Großneffe des 2011 verstorbenen Familienoberhaupts, Otto Habsburg bzw. Erzherzog Otto von Österreich (1912-2011).

Die Familie Habsburg-Lothringen hat seit vielen Jahren enge Beziehungen zur Stadt Nancy. Im Jahr 1951 hatte dort bereits Otto von Habsburg, der Sohn des letzten österreichischen Kaisers und langjährige CSU-Europaabgeordnete, seine Frau Regina geheiratet.

„… hat seit vielen Jahren“ ist eine starke Untertreibung. Wie oft bei den Habsburgern, besteht auch hier die Beziehung seit Jahrhunderten. Der nachmalige Kaiser Franz I. des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, hatte die Erbin der österreichischen Erblande, Maria Theresia, am 12. Februar 1736 als Herzog Franz III. von Lothringen und Bar geheiratet und er hatte 1708 in Nancy (deutsch: Nanzig, luxemburgisch: Nanzeg) das Licht der Welt erblickt. Er brachte der Familie Habsburg den Namenszusatz -Lothringen ein. Erzherzog Otto von Österreich hatte 1951 Nancy für seine Hochzeit mit Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen wegen der langen Familientradition gewählt und weil die Republik Österreich ihm und allen Angehörigen des Hauses, die nicht auf die Zugehörigkeit zur Familie verzichteten, die Einreise verweigerte. Erzherzog Otto erklärte seinen Austritt aus der Familie 1961 und wurde zu Otto Habsburg.

Sein jüngerer Bruder, Erzherzog Karl-Ludwig, unterschrieb keine Verzichtserklärung, weshalb es falsch ist, ihn als Karl-Ludwig Habsburg zu titulieren. Zudem ist dieser Familienzweig belgischer Nationalität und im Paß des Bräutigams steht selbstverständlich in den drei Landessprachen: Archiduc Christophe d’Autriche. Die republikanisch-österreichische Sprachregelung findet auf ihn keine Anwendung.

Und um republikanische Besucher dieses Blogs noch ein bißchen zu ärgern, sei darauf hingewiesen, daß der jungvermählte Erzherzog Christoph in der österreichischen Thronfolge auf Platz 25 steht. Da mögen die Erzrepublikaner noch so sehr geifern, sie haben das deutschsprachige Wikipedia voll im Griff, aber im englischsprachigen können sie ihren Sprachduktus nicht durchsetzen.

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