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1973 überboten sich deutsche Firmen mit Ergebenheitsadressen an den Monarchen - sieben Jahre später kannten sie ihn nicht mehr.

1973 überboten sich deutsche Firmen mit Ergebenheitsadressen an den Monarchen – keine sieben Jahre später kannten sie ihn nicht mehr.

Der Tag der Ausstrahlung der Dokumentation Farah Diba – Die Kaiserin und ich ist unmöglich gewählt: 24. Dezember. Die drei Uhrzeiten (16:55 – 18:25 Uhr; Dienstag, 25.12.12, 00:50 – 02:20 Uhr; Dienstag, 25.12.12,  04:40 – 06:10 Uhr im Spartenkanal der ARD einsfestival) machen es nicht leicht, diesen allseits gelobten Dialog zwischen einer früheren iranischen Aktivistin gegen die Monarchie und der Kaiserin (Schahbanu) des Iran anzusehen. Aber es gibt schließlich Möglichkeiten, die Dokumentation aufzuzeichnen und sie zu einem geeignetren Zeitpunkt anzusehen.

Im Ankündigungstext wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der Zuschauer anziehen soll:

Krönung IKM Kaiserin Farah.

Krönung IKM Kaiserin Farah.

„Als ich Kind war, da hatten wir einen König und eine Königin“, erzählt die iranische Filmemacherin Nahid Persson Sarvestani. Noch gut erinnert sie sich an jenen Tag vor über 40 Jahren, als Farah Diba mit Glanz und Gloria zur Kaiserin von Persien gekrönt wurde. Die Ehefrau von Schah [Mohammed] Reza Pahlavi war die „Prinzessin Diana“ der 60er Jahre.

Nahid schließt sich der iranischen Revolution an, die 1979 zum Sturz des Schahs führt, während Ayatollah Khomeini die Islamische Republik ausruft. Millionen Iraner fliehen ins Ausland, auch der Schah und Farah Diba. … Sie setzt ihren Widerstand fort, kämpft im Untergrund gegen Khomeini und die Islamische Revolution – bis ihre Freunde verhaftet werden und ihr 17-jähriger Bruder 1982 hingerichtet wird. Sie flieht, lebt seit Jahren im Exil [im – Ironie des Schicksals – Königreich] Schweden.

Die Dokumentation begleitet die einstige iranische Kaiserin in ihrem heutigen Alltag. Ihr Leben und die zeitgenössische iranische Geschichte werden aus der Perspektive Farah Dibas sowie der iranischen Filmemacherin Nahid Persson Sarvestani erzählt. Es ist die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die jedoch die Liebe zu ihrem Vaterland und das Leben im Exil verbindet. Die Begegnung bringt sowohl für Farah Diba als auch für die Filmemacherin Konflikte mit sich. Entstanden ist ein sehr persönlicher Film, der die außergewöhnliche Begegnung von zwei Frauen mit so unterschiedlicher Herkunft und so verschiedenen politischen Visionen erzählt. Zwei Frauen, die im Laufe des Films immer mehr Gemeinsamkeiten entdecken. Nahid Persson Sarvestani: „Ich kann sagen, daß ich eine Sympathisantin von Farah geworden bin, aber eine Royalistin werde ich deshalb wohl nicht werden“. Und [Kaiserin] Farah Diba selbst: „Ich finde, der Film ist sehr natürlich geworden“, sagt sie in einem Telefongespräch. Bei dem Filmprojekt prallten Welten aufeinander, und doch fanden die beiden so unterschiedlichen Frauen Kontakt.

Schah Mohammad Reza Pahlevi (1941–1979) leitete ab 1963 mit der „Weißen Revolution“ umfangreiche wirtschaftliche, politische und soziale Reformen ein. Mit den steigenden Öleinnahmen konnte ein Industrialisierungsprogramm aufgelegt werden, das den Iran in wenigen Jahren von einem Entwicklungsland zu einem aufstrebenden Industriestaat machte. Industrialisierung und gesellschaftliche Modernisierung führten von Beginn an zu Spannungen mit den konservativen Teilen der schiitischen Geistlichkeit. Insbesondere Ayatollah Chomeini sprach sich bereits 1963 gegen das Reformprogramm aus. Neben der islamistischen Opposition der Fedajin-e Islam bildete sich eine linke Guerillabewegung im Iran, die das Land mit bewaffnetem Kampf „verändern“ wollte. Die 1977 erfolgte Liberalisierung der politischen Diskussion durch eine Politik des offenen politischen Raums führte zu gewaltsamen Demonstrationen mit Mord- und Brandanschlägen, die das Land in seinen Grundfesten erschütterten. Nach der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979, auf der der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing, US-Präsident Jimmy Carter, der britische Premierminister James Callaghan und Bundeskanzler Helmut Schmidt beschlossen hatten, den Schah nicht mehr zu unterstützen und das Gespräch mit Ayatollah Ruhollah Chomeini zu suchen, verließ Mohammad Reza Pahlevi den Iran. Die islamische Revolution hatte begonnen.

Auf Flickr ist ein eindrucksvolles Photo zu sehen:

12. Oktober 1971 Seine Kaiserliche Majestät Aryamer, König der Könige Mohammad Reza Pahlavi mit Ihrer Kaiserlichen Majestät, Kaiserin Farah Pahlavi

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