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An diesem Montag sind Prinz Charles, der Fürst von Wales, und seine Frau Camilla, die Herzogin von Cornwall, in Australien eingetroffen. Sie hatten zuvor in drei Tagen die Herzen der Bevölkerung von Papua-Neuguinea (früher hieß der Nordteil Kaiser-Wilhelm-Land) erobert und am späten Nachmittag landete das königliche Paar im eher kleinen Ort Longreach in Zentralqueensland. Bereits kurze Zeit später verbreitete die Deutsche Presseagentur (dpa) für’s deutsche Publikum eine Meldung, die auch schon auf den Webseiten diverser Medien erschien, hier die Hannoversche Allgemeine Zeitung:

So sieht also, wenn man der dpa-Beschreibung folgt, Prinz Charles bei „40 Grad im Schatten zugeknöpft und mit Krawatte“ aus. 1966/67 besuchte er ein Jahr lang die Schule in Australien, darauf ging er in seiner Ansprache ein:
„They say those are the formative years and they certainly formed me and ladies and gentlemen look at the result,“ he said to laughs and a smattering of applause.

Prinz Charles und Camilla reisen ins Outback

05.11.2012 10:04 Uhr
Sie geblümt und mit Sonnenschirm, er trotz 40 Grad im Schatten zugeknöpft und mit Krawatte: Prinz Charles und Camilla sind in Australien eingetroffen. Nicht alle sind aus dem Häuschen.
Sydney. Nicht Promis im mondänen Sydney sondern Viehzüchter im Hinterland haben den britischen Thronfolger Prinz Charles und seine Frau Camilla in Australien willkommen geheißen. Die beiden flogen am Montag aus Papua-Neuguinea kommend nach Longreach, einem abgelegenen Viehzüchterörtchen mit 4500 Einwohnern 1200 Kilometer nordwestlich von Brisbane.
Charles weihte dort eine Maschine des Ambulanzdienstes „Fliegende Ärzte“ [eigentlich: Royal Flying Doctor Service] ein. Er sei begeistert, wieder in Australien zu sein, versicherte er ein paar hundert Schaulustigen nach Angaben von Reportern vor Ort. Aus dem Häuschen waren die Viehzüchterfamilien nicht gerade. „Richtig Spannung kommt nicht auf, das sind wohl nicht die richtigen Royals“, meinte eine Frau im Rundfunksender ABC. „Wenn es wenigstens Prinz Harry wäre…“
Die Einheimischen haben die Royals zum Grillen eingeladen, mit Lammkoteletts und Rinderbrust. Allerdings liegen auf dem Rost auch marinierte Spargelstangen mit Prosciutto und in Teig gebackener Mais mit Saure-Sahnehäubchen und Koriander – nicht gerade das übliche Menü im Outback. Die beiden reisen anschließend weiter nach Melbourne, Adelaide, Sydney und Canberra. Die Reise findet im Rahmen des diamantenen Thronjubiläums der Queen statt.
dpa

Und so sehen die Bewohner Longreachs aus, von denen dpa behauptet: „Aus dem Häuschen waren die Viehzüchterfamilien nicht gerade.“ Dabei muß man schon eine gewisse Begeisterung mitbringen, im Outback bei praller Sonne auszuharren, um den künftigen König Australiens willkommen zu heißen.

Im deutschen Sprachraum besteht keine Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt der dpa-Meldung zu überprüfen. Deshalb von Downunder einige Anmerkungen zu dem, was die dpa wieder abgeschrieben hat. Ist es mehr als eine der üblichen republikfreundlichen ABC-Nachricht?

Fakt ist, daß Prinz Charles eine sehr geistreiche und witzige Ansprache hielt, die hervorragend bei den Queenslandern ankam. Und beim Rundgang durch Longreach wurden Prinz Charles und Camilla  von den Einwohnern begeistert gefeiert, die z. T. stundenlang in der Sonne auf das Paar gewartet hatten. Überall wurde von ihnen als „the future King and Queen of Australia“ gesprochen. Das ging live über die Fernsehsender – die Zensur schlug offenbar erst zu, als in den Redaktionsstuben etwas zusammengebastelt werden mußte, das dem Cliché entsprach, das für Prinz Charles entworfen wurde. Man lasse eben keine Tatsachen aufkommen, die ein Vorurteil trüben könnten.

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