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Griechenland verscherbelt königliche Residenz

Im Bemühen, Geld in die überschuldeten Kassen zu spülen, unterbreitet die griechische Regierung Sonderangebote. Am Mittwoch veröffentlichte sie in Athen eine Verkaufsliste: die staatliche Gasgesellschaft, Botschaftsgebäude und andere Liegenschaften in London, Belgrad, Nikosia oder Llubljana, Grundstücke, Häfen und selbst die staatliche Lotterie sind im Sortiment. Zu den ganz besonderen Schmankerln gehört Tatoi, der Privatbesitz der griechischen Königsfamilie, den die Regierung Papandreou 1994 entschädigungslos enteignete. Nach dem gescheiterten Gegenputsch hatte die Königsfamilie das Land verlassen und 1973 beschlagnahmte das Obristenregime Tatoi zum ersten Mal, ein Akt der nach dem Ende der Diktatur rückgängig gemacht wurde. Obwohl der König die Anlage nicht mehr nutzen durfte, da man ihm die Heimkehr verwehrte, wurde ihm die Begleichung der Grundsteuer auferlegt. Der König versicherte in Interviews stets, er sei [wohl als einer von wenigen Griechen, Anm. d. A.] – allen Steuerpflichten nachgekommen. Die Republiksregierungen erhöhten die Forderungen und nahmen den Disput über die Differenz zum Anlaß, den Besitz, den König Georg I. 1871 mit privaten Mitteln erwarb, zu verstaatlichen. Zu den angeblichen Steuerschulden gesellte sich die Behauptung, der Kauf Tatois sei der Königsfamilie nur durch ihre Stellung möglich gewesen. Ohne Monarchie kein Tatoi, lautete die Logik. König Konstantin II. zog vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof und konnte alle Anschuldigungen, die zur Beschlagnahme führten, widerlegen. 2002 entschied das Gericht zu seinen Gunsten, aber nicht nur hier klaffen Recht und Gerechtigkeit auseinander.

Der Menschenrechtsgerichtshof verfügte nicht die Rückgabe des geraubten Besitzes, sondern ließ zu, daß die griechische Regierung eine Entschädigung zahlen könne: 1% des damaligen Schätzwerts oder 13,2 Mio. €.! Zehn Jahre nach dem Deal bietet nun der griechische Staat Tatoi für 180 Mio. € auf dem Markt an. Ein Schnäppchen für beide, den potentiellen Käufer wie den Hehler, der gestohlenes Eigentum verhökert.

Die Niedrigkeit der sozialistischen Regierung war 2002 noch weitergegangen. Die Ausgleichssumme, die sie dem Monarchen entrichten mußte, nahm sie aus dem griechischen Katastrophenfonds, aus dem sonst Opfer von Erdbeben oder Waldbränden entschädigt werden. Damit nicht unschuldigen Menschen notwendige Hilfen vorenthalten werden, nahm der König die Kompensation an, gründete aber damit eine Stiftung, die Anna Maria Foundation. Mit ihren Mitteln hilft die Stiftung allen Griechen, die Opfer von Erdbeben, Bränden, Hitze- oder Kältewellen werden.

Der Zerfall der königlichen Privatresidenz Tatoi ist im Internet gut dokumentiert. Die US-Amerikanerin Sarah Murray photographierte im Dezember 2011 die traurige republikanische Hinterlassenschaft. Auch der griechische Royalist „Vasilofron“ hat mit Bildern die bewußte Vernachlässigung der Anlage festgehalten.

Die Beschlagnahme war 1994 mit zahlreichen Versprechen der griechischen Regierung einhergegangen. Von einem Nationalpark war die Rede, von einem grünen Naherholungs-gebiet für smoggeplagte Athener, von einem Museum. Nichts davon wurde wahr. Der Palast zerfiel, die Gräber wurden geschändet, Teile des Parks verkauft. Wer annimmt, daß Parteigenossen (jeder Couleur) an günstige Grundstücke kamen, dürfte nicht weit von der Wirklichkeit entfernt sein.

In Tatoi wurden die meisten Königskinder geboren – zuletzt 1967 Kronprinz Pavlos – und die griechischen Könige und Königinnen zur letzten Ruhe gebettet. Im Park steht kein Mausoleum, denn König Georg I. wollte „unter der Sonne Griechenlands“ bestattet werden. Ein Charaktertest wäre, wenn König Konstantin Tatoi erwerben wollte. Würde ihm die hellenische Republik den Zuschlag geben?       H.S.

Der Bundespräsident und die Yellow Press

Wie viele Königshäuser, müssen nun offenbar auch Ex-Bundespräsidenten und ihre Familien, genauer gesagt Christian und Bettina Wulff, mit den Anwürfen der Yellow Press umgehen. Es geht dabei nicht etwa um strafrechtlich relevante Vorwürfe, die Wulffs ehemaligem engen Mitarbeiter Olaf Glaeseker gemacht werden. Auch geht es nicht um den „Ehrensold“, den Christian Wulff in wenig ehrenhafter Weise kassiert und der in den vergangenen Wochen zum Ausgleich der Inflation noch einmal um eine Summe erhöht wurde, die eine Verkaufskraft im Einzelhandel im Jahr verdient. Nein, im Internet tauchten rasch von der Presse aufgegriffene Gerüchte auf, wo-nach die Gattin des Ex-Präsidenten früher für einen sogenannten Escort-Service gearbeitet haben soll. „Selbst wenn dem so wäre, wen interessiert das?“, könnte man in diesem Zusammenhang fragen. Angesichts der Auflagenstärke der Klatschblättchen ist es wohl aber tatsächlich so, daß es für viele offenbar die interessantere Nachricht ist, was eine Ex-Präsidentin in ihrer Vergangenheit gemacht oder eben nicht gemacht hat. Was sie und ihr Mann zukünftig an Geldern vom Staat bekommen (der Begriff „verdienen“ wäre hier unange-messen), scheint einem nicht unbedeutenden Teil der Bevölkerung dagegen offenbar weniger relevant.

Trotz schlechter Nachrichten aus Europa setzte das Herzogspaar die Reise anläßlich des Diamantenen Thronjubiläums von Königin Elizabeth II. fort. Ihr Besuch der Salomonen war ein Triumph. Die Inselgruppe erkennt Königin Elizabeth II. als Staatsoberhaupt an. William und Kate wurden als künftige Monarchen des Archipels gefeiert.

Die europäischen Königs- und Fürstenhäuser sind den Umgang mit der Yellow Press schon lange gewohnt. Der norwegischen Kronprinzessin Mette Marit wird zum Vorwurf gemacht, in der Jugend die eine oder andere Party besucht zu haben, Spaniens König Juan Carlos I. werden mehrere Affären nachgesagt, die ohnehin sehr begrenzte Privatsphäre der Herzogin von Cambridge wird auf niedrigste Art und Weise von Papparazi verletzt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Unterscheidet sich das Ex-Bundespräsidentenpaar in diesem Punkt also gar nicht mehr von Monarchen und gelingt es auf dem seltsamen Umweg über Scheinskandale, dem völlig farblosen Bundespräsidentenamt etwas Glamour zu verschaffen?

Natürlich gibt es Unterschiede zu den Königshäusern, und diese beziehen sich vor allem darauf, wie mit der Situation umgegangen wird. Während man Christian Wulff anhand seines raschen Alterungsprozesses sogar direkt ansehen kann, wie sehr ihn die letzten Monate mitgenommen haben, beschweren sich die gekrönten Häupter kaum, obwohl sie sich ihre Rolle anders als gewählte Staatsoberhäupter nicht aussuchen konnten und die Anwürfe gegen sie meist viel heftiger ausfallen. Die jüngst veröffentlichten Photos der Herzogin von Cambridge hatten zwar sowohl eine der ganz wenigen Protestnoten des Königshauses und eine Unterlassungsklage der Anwälte des britischen Königshauses zur Folge, doch nahm das britische Prinzenpaar seine offiziellen Termine in gewohnter Art und Weise wahr und gab sich während dieser Auftritte nach außen unbeeindruckt. Aus den wenigsten Königshäusern dringen persönliche Klagen über die eigene Behandlung durch die Medien nach außen und in den seltensten Fällen gibt es eine offizielle Stellungnahme dazu. Wer sich dagegen wie die Wulffs in Interviews und Büchern öffentlich beklagt, setzt sich schnell dem Vorwurf der Larmoyanz aus, aber vielleicht ist das ja auch gewollt, um Bettina Wulffs Buch „Jenseits des Protokolls“ besser vermarkten zu können. Um uns derlei Publikationen in Zukunft zu ersparen, sollte man die Präsidentenrente vielleicht erneut deutlich erhöhen. In jedem Fall fehlt einem Präsidentenpaar im Umgang mit der Klatschpresse zumeist das, was in Königshäusern durch Erziehung und die Vorbereitung auf das Amt sichergestellt wird: die Würde. L.R.

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Die vollständige 102. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 102

Inhalt der 102. Corona Ausgabe:

  • Griechenland verscherbelt königliche Residenz
  • Falsche Vorbilder
  • Der Bundespräsident und die Yellow Press
  • Königliche Arbeitslosenhilfe

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