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König Juan Carlos I. hat die Spanier am Dienstag mit Hilfe eines auf der Netzpräsenz des Königshauses veröffentlichten Briefes zur Einigkeit aufgerufen. Die königliche Botschaft kommt anderthalb Wochen nach der sogenannten Diada, dem Regionalfeiertag Kataloniens, auf dem nach unterschiedlichen Angaben zwischen 600.000 und 2 Millionen Katalanen in Barcelona für die Unabhängigkeit der Provinz von Spanien demonstrierten.

Auslöser dieser Demonstration dürfte die Forderung der katalanischen Provinzregierung nach mehr finanzieller Autonomie gewesen sein: Ähnlich wie das Baskenland möchte man sein Geld selbst verwalten und nur eine entsprechende Abgabe für zentrale Dienste wie Verteidigung an Spanien entrichten. Bislang verhält es sich umgekehrt und der spanische Staat gewährt der autonomen Region Katalonien einen Geldbetrag zur Finanzierung ihrer regionalen Dienstleistungen.

Das Wappen des spanischen Königs, in dem im linken Feld auch Katalonien enthalten ist.

Die Forderung des katalanischen Regierungschefs Artur Mas wurde dabei bislang immer abgewiesen. Katalonien mußte jüngst wie andere autonome Regionen finanzielle Hilfe von der Regierung in Madrid beantragen, um Beamtengehälter und andere laufende Verpflichtungen weiter bezahlen zu können. Diese von der spanischen Regierung zur Ausführung angebotene Hilfestellung ist so etwas wie ein Rettungsschirm auf nationaler Ebene.

Im Gegenzug weigert sich Katalonien aber, weitere Ausgabenkürzungen vorzunehmen und fordert stattdessen finanzielle Unabhängigkeit, wozu viele Spanier nicht zu unrecht sagen, daß finanzielle Unabhängigkeit für die am höchsten verschuldete Region Spaniens bedeuten würde, den Bock zum Gärtner zu machen.

Die Diada war somit eine Möglichkeit der Regionalregierung, die Muskeln spielen zu lassen und gleich im Anschluß daran fuhr Artur Mas nach Madrid und erläuterte dort auf einer Konferenz seine Ideen. An dieser Konferenz nahm kein Vertreter der beiden großen spanischen Parteien teil, wohl aber der Chef der Hausverwaltung des Königs, Rafael Spottorno. Dies wurde in Teilen der Presse als Unterstützung des Königs für Artur Mas gewertet.

Der Brief kann also auch als ein Dementi auf diese Presseberichte und als eine direkte Antwort auf Unabhängigkeitsbestrebungen und Forderungen nach weiterer Autonomie betrachtet werden. Es heißt in ihm unter anderem: „Unter diesen (gegenwärtigen; Anm. des Verfassers) Umständen wäre das Schlimmste, was wir tun können, die Spaltung unserer Kräfte, die Förderung von Zwistigkeiten, das Verfolgen von Chimären (…).“

Politisch hat sich der König, der diesen Einigkeitsappell anders als zu anderen Anlässen selbst und auf eigene Initiative verfaßt hat, also durchaus klar geäußert, auch wenn katalanische Politiker sofort nach Erscheinen des Briefs angaben, sich nicht angesprochen zu fühlen. Manche befürchten in diesem Zusammenhang, der Brief würde dem Königshaus in Katalonien schaden, wo es trotz mancher Initiativen (eine Infantin wohnt in Barcelona, der spanische Kronprinz trägt auch den Titel „Prinz von Girona“, einer Stadt in Nordkatalonien), die den Katalanen das Königshaus näherbringen sollten, als Symbol des Zentralstaats gilt. Trotzdem hat der König ein Gefühl für die Stimmungslage in seinem Volk bewiesen: Sind die Spanier eigentlich unerschütterliche Optimisten, wirkten viele nach der Diada zum ersten Mal in den fünf Jahren der Wirtschaftskrise wirklich niedergeschlagen, da sie das Gefühl haben, in ihrer schwierigen Lage nicht nur von Europa, sondern auch von Teilen des Inlandes im Stich gelassen zu werden. Der Glaube an einen Ausweg aus der wirtschaftlichen und politischen Krise schwindet, und es sind diese Momente, in denen sich ein König äußern muß.

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