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Republikanern kann man es nicht recht machen: Wird über eine Königsfamilie viel berichtet, heißt es, sie sei skandalträchtig. Gehen die Mitglieder einer Königsfamilie ruhig ihren Aufgaben nach, nennen sie sie langweilig.

Das belgische Königshaus gehört eher zur zweiten Kategorie, wenngleich auch immer wieder einzelne Mitglieder Schlagzeilen produzierten, aber außerhalb Belgiens finden sie kaum Niederschlag. Ausländische Journalisten in Brüssel sind offenbar zu sehr mit Eurorettungsaktionen, Europäischer Kommission und vielleicht noch mit dem europäischen Parlament oder auch der NATO beschäftigt, als daß sie der belgischen Monarchie viel Aufmerksamkeit widmen.

Wenn heute Königin Paola ihren 75. Geburtstag feiert, dann begeht sie ihn wie sie es liebt: In aller Stille. Es wird keine öffentlichen Feiern geben und die Königin hat nur die Familie eingeladen.

Die Webseite der belgischen Monarchie, die auch in der dritten Landessprache Belgiens – auf deutsch – Informationen anbietet, hält zu Königin Paola eher nüchterne Daten bereit:

Königin Paola wurde am 11. September 1937 in Forte dei Marmi in Italien als Prinzessin Ruffo di Calabria geboren. Sie ist das jüngste der sieben Kinder von Prinz Fulco Ruffo di Calabria, heldenhafter Fliegeroffizier während des Ersten Weltkrieges, und von Gräfin Luisa Gazelli. Ihre Großmutter väterlicherseits, Laure Mosselman du Chenoy, war Belgierin.

Die Königin verbrachte ihre ganze Jugendzeit in Rom, wo sie das Gymnasium im klassischen lateinisch-griechischen Zweig abschloss.

Prinzessin Paola 1961 mit Sohn Philippe und Ehemann, Prinz Albert.

Am 2. Juli 1959 heiratet sie Prinz Albert von Belgien. Das Paar hat drei Kinder: Prinz Philippe (geboren am 15. April 1960), Prinzessin Astrid (geboren am 5. Juni 1962) und Prinz Laurent (geboren am 19. Oktober 1963).

Die Verfassung sieht keinerlei besondere Rolle für die Königin vor. Dennoch haben die belgischen Königinnen stets eine Rolle im öffentlichen Leben gespielt. So unterstützt die Königin den König bei der Ausübung seiner Pflichten als Staatsoberhaupt: zahlreiche Besuche bei Institutionen, verschiedene Kontakte mit der Bevölkerung, Feierlichkeiten in Belgien und im Ausland, Staatsbesuche, Empfänge von Vertretern der verschiedenen Gruppen der Gesellschaft sowie zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten. Die Königin schenkt hierbei ihrer Rolle als Gastgeberin besondere Aufmerksamkeit.

Neben diesen Tätigkeiten in Begleitung des Königs widmet die Königin ihre Zeit auch Themen, die ihr am Herzen liegen, hauptsächlich im sozialen und kulturellen Bereich.

Schon kurz nach der Thronbesteigung König Alberts II. gifteten flämische Nationalisten gegen ihre neue Königin. Ihre Kenntnisse der niederländischen Sprache seien zu schlecht und ihr italienischer Akzent trieb die Separatisten zu immer neuen Beleidigungen. Aber damit steht die Königin nicht allein. Der flämische Parteiführer Bart De Wever verstieg sich zur Behauptung, seine nigerianische Putzfrau spreche nach einem Jahr besser Niederländisch als der belgische Premierminister Elio Di Rupo.

Vielleicht waren die Anfangsjahre nicht einfach für die Südländerin. Die Klimate von Belgien und Italien liegen weit auseinander, was gerade die zahlreichen italienische Gastarbeiter in den belgischen Kohlerevieren zu spüren bekamen. Es muß in den 60er Jahren auch zu einer Entfremdung zwischen ihr und ihrem Ehemann, Prinz Albert, Fürst von Lüttich, gekommen sein, denn wie der erst 18-jährige Royalist Mario Danneels in einer recht unschuldigen Biographie über Königin Paola «Paola, van la dolce vita tot koningin» 1999 fast nebenbei enthüllte, hatte König Albert 1968 in einer außerehelichen Beziehung eine Tochter, Delphine Boël. In seiner Weihnachtsansprache des gleichen Jahres sprach der Monarch recht offen darüber:

„Ich erinnere mich mit der Königin auch an die Krise, die wir vor mehr als 30 Jahren durchgemacht haben. Gemeinsam konnten wir schon vor sehr langer Zeit diese Schwierigkeiten überwinden und ein Verstehen und tiefe Liebe wiederfinden. … Wir wären glücklich, wenn Menschen, die heute die gleichen Probleme haben, aus unserer Erfahrung Hoffnung schöpften.“

Eine offizielle Photoaufnahme des belgischen Königspaars.

Auch mit 75 Jahren wird die belgische Königin nicht kürzertreten. Über den Hilfsfonds der Königin hilft sie Bürgern in Notlagen, die wegen finanzieller Probleme nicht für ihre täglichen Bedürfnisse sorgen können und sich als letztes Mittel an sie wenden. Sie besucht regelmäßig soziale Einrichtungen oder Pflegezentren in allen Teilen des Landes. Durch diese Kontakte ist sie stets über die Bedürfnisse und Anliegen der Bevölkerung informiert. Außerdem erfährt sie dabei etwas über die zahllosen Initiativen, die jährlich in unserem Land entfaltet werden, um anderen zu helfen.

Mit der 1992 ins Leben gerufenen Königin-Paola-Stiftung unterstützt sie in Schwierigkeiten gekommene Jugendliche bei ihrer Integration und ihrer Ausbildung. Die Maßnahmen der Königin-Paola-Stiftung konzentrieren sich auf drei Schwerpunkte:

  • Konkrete Unterstützung von Hilfsorganisationen für Jugendliche, die Probleme bei der gesellschaftlichen Integration haben.
  • Königin-Paola-Preis für das Schulwesen, mit dem seit 1997 originelle Projekte von Lehrern aller Schulniveaus und aller Schulnetze hervorgehoben und belohnt werden.
  • Schule der Hoffnung (seit 1999): eine Initiative, mit der Schulen in schwierigen soziokulturellen Umgebungen unterstützt werden.

Im April 2002 wurde die Königin zur Ehrenvorsitzenden von Child Focus ernannt, der gemeinnützigen Einrichtung, die sich der Suche nach verschwundenen Kindern, dem Kampf gegen sexuellen Missbrauch und der Hilfe für betroffene Eltern widmet. Die Königin versucht, unter anderem durch ihre internationalen Kontakte, auch in anderen Ländern die Gründung ähnlich arbeitender Zentren anzuregen.

Einer Königin geht die Arbeit niemals aus und im Unterschied zu anderen (ehemaligen) Staatsoberhäuptern bzw. deren Ehefrauen wird die belgische Monarchin kein Buch schreiben und auch keine Promotiontour anleiern. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil, ein monarchisches Staatsoberhaupt zu haben.

Während eines Staatsbesuchs 2011 wurden König Albert und Königin Paola auch von Herzog Franz von Bayern (rechts), dem Chef des bayerischen Königshauses, auf Schloß Nymphenburg empfangen. Wiederholt haben die belgischen Monarchen aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha auch die Stadt Coburg besucht.

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