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Die Predigt zum Requiem von Seiner Königlichen Hoheit Markgraf Maria Emanuel von Meißen, Herzog von Sachsen, am 3. August 2012 in der Kathedrale Dresden wurde gehalten von Dompfarrer Klemens Ullmann

Während des Requiems für den verstorbenen Markgrafen von Meißen stand seine Witwe (im Bild rechts), IKH Markgräfin Anastasia-Luise, geborene Prinzessin von Anhalt, neben dem neuen Hauschef, SKH Prinz Alexander von Sachsen.

Dompfarrer Ullmann sei an dieser Stelle für die freundliche Überlassung seines Predigttextes gedankt. Im Manuskript stellt er folgende Einschränkung voran, auf die ausdrücklich hingewiesen sein soll: „Die Predigt wurde nicht wörtlich so gehalten, vor allem der Schluß war verändert. Am besten kam der Schlußsatz an, in dem ich auf das Lachen des Verstorbenen zu sprechen kam und daß er uns, wenn wir in den Himmel kommen, lachend begrüßen wird.“

Königliche Hoheiten,

verehrte Frau Markgräfin,

verehrte Gäste und Mitfeiernde,

Schwestern und Brüder.

1. In seinen „Bekenntnissen“ schreibt Augustinus vom Sterben seiner Mutter, der Hl. Monika. Vor ihrem Heimgang, so berichtet er, habe sie gesagt:

Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorge um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!

Ebendies tun wir in dieser Stunde, wie es schon immer in der katholischen Kirche üblich war und ist: wir gedenken und beten für unseren verstorbenen Bruder Maria Emanuel, der vor einer Woche zu seinem und unserem Herrn und Gott heimgegangen ist und Montag in der Gruft im Brennbichel beigesetzt wurde.

Wir beten:

„Herr, gib ihm die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm“:

– Ihm soll es leuchten, dem Menschen Maria Emanuel,

– Prinz von Sachsen, Herzog zu Sachsen, Kurfürst von Meißen,

– königliche Hoheit,

– Enkel des letzten sächsischen Königs:

– Kind Gottes, Glied der Kirche Jesu Christi, unser Bruder in Christus.

Dieses Gedenken ist ein Zeichen der verehrenden Liebe und der Verbundenheit in Christus über dieses irdische Leben hinaus. Die Liebe ist die Brücke, die uns mit unseren Verstorbenen weiterhin verbindet.

Der Tod ist nicht das Nichts, sondern die Begegnung mit der Fülle.
Der Tod ist keine Grenze. Nicht für die Liebe. Liebe kennt keine Grenzen.“
Ruth Pfau

Unser Glaube gibt uns die Hoffnung, dass unsere Verstorbenen nicht für immer verloren sind.

2. Als der verstorbene Markgraf  am 31. Januar 1926 geboren wurde, gab man ihm den Namen: Emanuel. Das heißt übersetzt: „Gott ist mit uns“.

Ja, er wußte sich in Gott geborgen. Er ging seinen Lebensweg „mit Gott“. Er war ein gläubiger Mensch.

Woran kann man sonst sein Leben ausrichten, wenn nicht an dem, der uns ins Dasein gerufen hat und zu dem wir unser Leben lang unterwegs sind.

Alles Irdische ist vergänglich.

„Auf ihn habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht untergehen“, so beten wir am Schluß des Te Deums.

Glaube, aus dem die Hoffnung erwächst, kann man nicht machen. Glaube ist Geschenk.

Aber ich muß dieses Geschenk annehmen.

Ein Taufschein allein nützt uns nichts.

– Unser christlicher Glaube macht unser Leben sinnvoll.

– Glaube schenkt die Kraft, auch in schweren Situationen vertrauensvoll nach vorn zu schauen, auf Jesus Christus.

So wie er nach dem Leid und Kreuz auferstanden ist, so werden auch wir an seiner Auferstehung teilhaben.

Es gab wohl genügend schwere Situationen im Leben des Verstorbenen: Todesbedrohungen, Bedrängnisse, Leiden.

– Glaube schenkt Hoffnung auf eine Ewigkeit in der Geborgenheit Gottes.

Vielleicht faßt es ein Wort des Hl. Augustinus zusammen:

„Mit dem Mund des Herzens dürsten wir nach den überirdischen Fluten deiner Quelle, der Quelle des Lebens, die bei dir ist!“

3. Es war ein bewegter Lebensweg, den der Verstorbene gegangen ist, den ihn Gott geführt hat. Es ist hier nicht der Ort und die Stunde, dieses Leben auszubreiten, wenn man überhaupt über das Leben eines Menschen aus den äußerlichen Gegebenheit heraus etwas aussagen kann. Denn jedes Leben ist letztlich ein Geheimnis, das uns anvertraut ist.

Der verstorbene Markgraf war sich der großen Vergangenheit seiner Familie bewußt:

ein Erbe, das stolz machen kann, aber auch Last bedeutet.

Aber er war sich auch seiner Niedrigkeit gegenüber dem Herrn aller Herren bewußt, der uns alle ins Dasein gerufen hat und vor dem wir Rechenschaft für diese Erdentage geben müssen.

Er wußte sich in Gott geborgen, aber er wußte auch um seine Unvollkommenheit als Mensch.

– Es war ergreifend, wenn er vor dem Tabernakel kniete und betete.

– Es war ergreifend, wenn er sich am Beichtstuhl anstellte und im Sakrament die Vergebung erbat.

„Fürwahr, wir sind alle Sünder“.

Von Martin Luther ist uns dieses Wort überliefert, das er vor seinem Sterben gesprochen haben soll und das auf jeden von uns zutrifft.

4. Der zweite Namen des Verstorbenen ist der der Gottesmutter Maria.

Seine Eltern hatten ihre fünf Kinder liebevoll der Gottesmutter Maria anvertraut.

Früh trat er hier in Dresden der Marianischen Kongregation bei. Er war ein Marienverehrer.

Und unser Gebet in dieser Stunde richten wir auch fürbittend an sie, daß sie ihn gleichsam an der Hand nimmt, ihn unter ihren „Schutz und   Schirm“ birgt, wie eine gute Mutter, die ihr Kind vor den Gefahren an sich   drückt.

In Ihr dürfen wir Hoffnung haben auf ein Wiedersehen im Himmel.

5. Jeder Tod ist Abschied. Jeder Abschied ist schmerzlich. Aber für uns ist es ein Abschied in Hoffnung auf ein Wiedersehen. Wir dürfen trauern, anders als die, die keine Hoffnung haben.

Bei aller Trauer um einen Menschen, der von uns gerufen wird, werden wir daran erinnert, daß auch unser Leben in Gott enden wird.  Jeder Tod ist wie eine Predigt, die uns mahnt, unser Lebensziel nicht aus dem Auge zu verlieren. So ist es Mahnung und Einladung an uns, uns neu auf Christus auszurichten

Wenn wir uns dann wiedersehen: das wird ein Fest der Freude!

Er wird wohl an der Himmelstür lachend stehen und uns empfangen.

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