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Großfürstin Maria Vladimirowna Romanowa hat im Juli die Existenz der Partei Zaristisches Rußland in Frage gestellt. Die Partei, auf deren Agenda die Restauration der Monarchie steht, hatte sich erst im Juni gegründet und glaubt, bei Wahlen auf nationaler Ebene zwischen 10 % und 20 % aller Stimmen für sich gewinnen zu können.

Großfürstin Maria Vladimirowna mit ihrem Sohn, Großfürst George Mikhailovich, bei der Hochzeit von Kronprinz Georg Friedrich von Preußen im August 2011.

„Ein Monarch muß die Menschen vereinen“, sagte ein Sprecher der Großfürstin diesbezüglich. Die Gründung einer Partei diene nicht diesem Ziel, sondern bewirke das Gegenteil.

Dem Zaristischen Rußland scheinen die Wünsche der Großfürstin jedoch nicht besonders wichtig zu sein: Wenn die Großfürstin nicht wünsche, eines Tages über Rußland zu herrschen, dann gäbe es auch andere Verwandte des letzten Zaren, die sich hierfür bereitfänden, so die Parteispitzen.

Der Vorgang wirft einige Fragen auf, die dieser Artikel nicht beantworten wird, über die es sich jedoch lohnt, nachzudenken: Zunächst einmal ist da die Haltung der russischen Monarchisten in dieser Partei, die der Thronprätendentin offenbar nur dann folgen wollen, solange sie tut, was sie von ihr verlangen. Dies ist natürlich kein sehr ehrenwertes Benehmen. Wie aber sollen sich Royalisten grundsätzlich positionieren, wenn der Prätendent nicht prätendieren will? Sollen sie diesem Wunsch Folge leisten oder das Amt hinter der Person sehen und daher alleine die Restaurationsbemühungen vorantreiben?

Abgesehen von dem Verhältnis zwischen dem Prätendenten und seinen Anhängern ist die Problematik monarchistischer Parteien, daß sie zumeist auch andere Programmpunkte als den der Einführung einer Monarchie vertreten. Es kann daher von außen so erscheinen, als seien diese Positionen identisch mit der Position des Monarchen. Das Zaristische Rußland tritt neben der Monarchie zum Beispiel für die „Wiedervereinigung“ mit Weißrußland und der Ukraine sowie die Einführung der Todesstrafe für bestimmte Verbrechensarten ein. Sympathisch ist das sicher nicht und die Großfürstin tut gut daran, die Entwicklung dieser Partei aus einer größeren Distanz zu beobachten, um eine Rufschädigung zu vermeiden. Trotzdem stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach dem richtigen Weg einer Restauration: Die Großfürstin sagt zwar, daß eine Monarchie nur dann in Rußland eine Möglichkeit hat, wenn das Volk dies wünscht. Wie aber soll dies gehen, wenn das Volk bei Wahlen nicht für die Monarchie stimmen kann? Von manchen wird in diesem Zusammenhang selbst ein Referendum abgelehnt: So sagte der 2008 von den Politikern seines Landes geschaßte König Gyanendra von Nepal jüngst in einem Interview, in dem er sich für eine Rückkehr zum Königtum aussprach, daß er kein Anhänger einer Abstimmung über die Staatsform sei. Er wolle sein Volk durch solch ein Referendum nicht polarisieren lassen. Dennoch sagte auch er, daß eine Monarchie nur durch den Willen des Volkes kommen kann. Wie dieser Wille sich ausdrücken soll, ließ der König offen.

Neben dem logischen Umstand, daß sich die republikanischen Eliten eines Landes das Heft nicht freiwillig aus der Hand nehmen lassen werden, sind es auch und gerade diese Schwierigkeiten im Verhältnis zwischen Prätendenten und Anhängern sowie bei der Definition des richtigen Weges zur Monarchie, die einen Erfolg dieses Unternehmens so schwierig machen. In den wenigen Fällen, in denen das Unternehmen gelang (Kambodscha, Spanien, Uganda auf regionaler Ebene), waren daher immer große nationale Zerwürfnisse, nicht aber in erster Linie die Arbeit der Monarchisten der Auslöser.

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