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An monarchistischen Gruppierungen herrscht in Deutschland kein Mangel, aber keine kann eine so lange Tradition vorweisen wie der Welfenbund.  Dabei hatte die Mitgliederversammlung am 21. September 1985 seine Auflösung als eingetragener Verein beschlossen. Er verschwand jedoch nicht, sondern am gleichen Tage gründeten Mitglieder einen „offenen Welfenbund“, der im Sinn und Geist der welfischen Bewegung weiterwirken sollte (Link zu diesem Welfenbund siehe unter „Blogroll“). Trotz der sechzigjährigen Wirkungszeit existiert ein Artikel zum „Welfenbund“ nicht in der deutschsprachigen Wikipedia und auch welfische Webseiten – wie die zum Königreich Hannover – streifen den Welfenbund nur.

Am 60. Jahrestag der Gründung des Welfenbunds wurde am 12. Mai 2012 in Hannover wieder ein eingetragener Verein gegründet. Dies kann als ein Zeichen der Kontinuität gewertet werden, auch wenn es der Welfenbund heute ablehnt, sich dezidiert als monarchistisch zu bezeichnen. Die neue Satzung des Welfenbunds e.V. von 2012, stellt sich in die Tradition der welfischen Geschichte und bekennt sich „zur Kontaktpflege mit den Mitgliedern des Welfenhauses: Traditionsgemäß hat der Vorstand des Welfenbundes – wie seinerzeit zu SKH Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, und Victoria-Luise, der Herzogin – Kontakt zu den heutigen Mitgliedern des Welfenhauses anzubahnen, zu pflegen und beratend behilflich zu sein„. (§ 2, 3). Eine solche Aussage fehlte in der Satzung vom 1. Juli 1961, wo es in § 1,1 jedoch hieß: „Der Welfenbund e.V. ist eine Gemeinschaft [von Mitgliedern, die vom Bewußtsein] tausendjähriger unlösbarer Verbundenheit mit dem Welfenhause durchdrungen sind.“

In der Zeitschrift des WelfenbundsDer Bund“ finden sich wichtige Zeugnisse zur Geschichte der hannöverschen Bewegung. So sagte Bundesvorsitzender Karlheinz Höfer anläßlich des 25. Geburtstags des Welfenbunds unter anderem:

Hatte bereits im Jahr 1929 dem Großdeutschen Orden „Heinrich der Löwe“, der Deutschen Legion, dem Herzogin-Viktoria-Luise-Bund und dem Hannoverschen Landeskriegerverband eine lockere Bindung als eine Art Arbeitsgemeinschaft vorgeschwebt unter dem Leitspruch: „Heimat und Vaterland“, so wurden nach dem 2. Weltkrieg diese Bemühungen fortgesetzt. Aber ich will einen Absatz aus ihrem Aufruf zitieren, der auch schon für den Welfenbund gelten könnte. „Wir unterscheiden uns von einer politischen Partei, die sich häufig ihre Richtung und Aufgaben durch politische Augenblicksströmungen vorschreiben läßt und aus Zweckmäßigkeitsgründen einer augenblicklich herrschenden Richtung zu Liebe oft Gefahr läuft, ihre alten Grundsätze in den Hintergrund zu stellen oder zu schweigen.“

Im August 1946 wurde auf dem Bergfried unseres Königsschlosses Marienburg nach 1867 zum ersten Mal wieder die gelbweiße Heimatfahne gehißt. Aber das ganz große Ereignis in den ersten Jahren nach dem Kriege war der 60. Geburtstag unseres Herzogs von Braunschweig 1947. Wir sind damals dorthin gepilgert. Wir hatten Hunger, die Züge waren überfüllt, aber als wir in Nordstemmen auf dem Bahnhof ankamen, da sahen wir die Burg und gingen den Marienberg hinauf und erlebten die Geburtstagsfeier bei Alves. …

Im Jahr 1950 bildete sich in Hannover eine Arbeitsgemeinschaft „Königstreuer Verbände“, aber erst die grüne Hochzeit unseres Königlichen Silberpaares im Jahr 1951 mit 300 000 begeisterten Hannoveranern veranlaßte einen Mann, der unter uns anwesend ist, die Gründung eines gemeinsamen Bundes zu versuchen. Es war Herr Rechtsanwalt Grote, Hannover! Es ist interessant und bewegend, das Protokoll dieser Gründungsversammlung zu lesen. Es ging hin und her. Herr Grote brachte alle Argumente ins Feld. „Ich will keine Parteien, ich will Bünde!“, hatte Herzog Ernst August gesagt und der Names des Bundes sollte die enge Verbindung zum angestammten Königshaus symbolisieren, daher Welfenbund! … Rechtsanwalt Grote konnte an dem Tag, es war der 10. Mai 1952, den Welfenbund mit den Stimmen aller Anwesenden aus der Taufe heben.“ (aus: Der Bund, 25. Jahrgang, III 1977, S. 14f)

Über den anderen, den parteipolitischen Strang der welfischen Bewegung, der von der Deutsch-Hannoverschen Partei (DHP) bis zur Deutschen Partei (DP), der Rolle ihrer Mitglieder beim Formulieren des Grundgesetzes und als Bundesminister reicht, soll an anderer Stelle einmal berichtet werden.

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