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Wenn Politiker mal partout auffallen wollen, greifen sie auf den alten Trick zurück, Unsinniges zu verlangen. So auch nach der Fußballeuropameisterschaft, als Politiker von CDU und CSU eine Pflicht zum Singen der Nationalhymne für Fußball-Nationalspieler gefordert haben. Wer eine Pflicht einfordert, muß sie strafbewehren, sonst bleibt sie ohne Drohpotential. Was könnten die Politiker im Sinn haben? Sollen die Spieler ihre sündteuren Leibchen den Armen schenken? Dürfen sie eine Woche lang ihre Sportwagen nicht mehr bewegen? Werden ihnen ihre Millionärsgehälter gekürzt?

Wieviel glücklicher ist Europameister Spanien dran – wieder einmal -, denn die spanische Nationalhymne hat keine Worte. Zwar gab es häufig Versuche, dem „Marcha Reale“ einen Text beizugeben, aber die Versuche scheiterten an allgemeiner Ablehnung. Zum Ursprung der spanischen Nationalhymne hatte sich Prinz Louis Ferdinand von Preußen in seinen Lebenserinnerungen „Die Geschichte meines Lebens“, Seite 95, Göttinger Verlagsanstalt, geäußert:

„Mit der königlichen Familie kam ich [1929] zurück nach Madrid. Zum Empfang waren auf dem Bahnhof der Erzbischof und das gesamte Kabinett erschienen. Eine Ehrenwache präsentierte unter den Klängen des „Marcha Reale“, der spanischen Nationalhymne, die, wie ich von König Alfons erfuhr, eine Karl III. von Spanien gewidmete Komposition Friedrichs des Großen ist.“ (Zitiert in Corona 18)

Die Gedanken sind frei,“ sang man früher, „wer kann sie erraten?“ Jeder kann sich zu einer Melodie, bei der alle andächtig innehalten, sein Teil denken. Wer beim sogenannten Deutschlandlied stumm in die Welt hinaus sieht, könnte im Geist zur Haydn-Melodie den Originaltext von Lorenz Leopold Haschka rezitieren. Der wahre Charakter des Kaiserquartetts läßt keinen hohlen Patriotismus zu, das ist kein Kampflied – die markige Intonation des Deutschlandliedes hat nichts mit dem Original gemein! Joseph Haydn komponierte dieses Quartett, dessen zweiter Satz Variationen der Hymnenmelodie sind, unmittelbar nach dem Kaiserlied, das Quartett wurde im September 1797 bei einem Konzert für den Fürsten Esterházy uraufgeführt.

Kaiserhymne
Gott erhalte, Gott beschütze
Unsern Kaiser, unser Land!
Mächtig durch des Glaubens Stütze
Führ´ er uns mit weiser Hand!
Laßt uns seiner Väter Krone
Schirmen wider jeden Feind!
Innig bleibt mit Habsburgs Throne
Österreichs Geschick vereint!

Deutsche Monarchisten brauchen jedoch nicht auf die österreichische Kaiserhymne zurückgreifen. Wenn irgendwo auf der Welt God save the Queen gespielt wird, fliegen die Gedanken zur deutschen Hymne, die zur gleichen Melodie gesungen wurde:

Heil dir im Siegerkranz
Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
/: Fühl‘ in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Kaiser, dir! :/

Für patriotischen Überschwang gab das nichts her, zumal noch heute Liechtensteins Nationalhymne zur selben Melodie gesungen wird. Australien und Norwegen ernannten sie zur Royal Anthem im Gegensatz zur National Anthem.

Man kann französische Fußballspieler verstehen, wenn sie den rassistischen Text der Marseillaise nicht singen wollen:

Zu den Waffen, Bürger!
Schließt die Reihen,
Vorwärts, marschieren wir!
Das unreine Blut
tränke unserer Äcker Furchen!

Mit dem „unreinen Blut“, das die Äckerfurchen tränken soll, sind keinesfalls ausländische Truppen gemeint, wie dies später hineininterpretiert wurde, obwohl auch dann diese Bezeichnung einen rassistischen Charakter aufweist, sondern die Bevölkerungsteile in Frankreich, die sich der Revolution verweiger(te)n, also die royalistischen Aufständischen in der Vendée und in der Bretagne. Sie wollte man mit Stumpf und Stiel ausrotten, die Kriegsführung der verbrannten Erde wurde als Prinzip angewandt, weshalb viele von einem Genozid unter den royalistischen Bauern sprechen.

Diese kleine Betrachtung einer Nachricht, die dem Sommerloch entsprungen sein könnte, erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch nicht ausgewogen. Deshalb verstummt der Autor lieber.

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