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Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) macht ihren Griechenlandartikel heute mit einem angsteinflößenden Titel auf: Auflösungserscheinungen in Griechenland – Fünf Tage vor den Neuwahlen zeigt Griechenland immer mehr Anzeichen des Zerfalls.

In der Erklärung, was darunter zu verstehen ist, bezieht sich der NZZ auf eine griechische Zeitung:

Doch nicht nur ein zunehmend rohes gesellschaftliches Klima und ein Hang zur Selbstjustiz werfen Fragen nach der Zukunft des Landes auf. «To Vima» ist nur eines von mehreren Medien, die Griechenland von der Auflösung bedroht sehen. Engpässe gibt es bei der Versorgung von Medikamenten, Patienten erhalten Arzneien nur noch gegen Barzahlung. Auch drohen Strom- und Gasengpässe. Der Bausektor, einst ein wichtiger Konjunkturmotor, ist so gut wie tot. Seit Beginn der Rezession 2007 ist die Bautätigkeit um 75 Prozent zurückgegangen, über die Hälfte der Bauarbeiter hat den Job verloren. Der Tourismus verzeichnet dramatische Einbrüche, und nicht zuletzt die Hotelbetreiber hoffen auf die Bildung einer stabilen Regierung, um von der verkorksten Saison zu retten, was noch zu retten ist.

Auflösungserscheinungen sind auch in der politischen Kultur erkennbar. Ohne eine überparteiliche Persönlichkeit – wie zum Beispiel einen regierenden Monarchen, denn König Konstantin II. lassen die Parteipolitiker nicht amtieren – droht Griechenland nach den am 17. Juni anstehenden Wahlen die Anarchie. Die NZZ:

Dass einige Konservative offenbar nicht einmal Berührungsängste mit der rechtsextremen Partei Chryssi Avgi haben, machen die Aussagen von Panagiotis Psomiadis deutlich. Der ND-Wahlkampfleiter für Nordgriechenland sagte laut Medienberichten am Wochenende, er sei im Gespräch mit Chryssi-Avgi-Abgeordneten, um diese zum Übertritt in die ND zu bewegen.

Für Aufregung gesorgt hatte am vergangenen Donnerstag ein Vorfall, bei dem der Chryssi-Avgi-Abgeordnete und Partei-Sprecher Ilias Kasidiaris vor laufenden Kameras im Morgenprogramm des Fernsehsenders Antenna einer Syri-za-Abgeordneten ein Glas Wasser ins Gesicht schüttete und eine kommunistische Abgeordnete ohrfeigte. Kasidiaris tauchte daraufhin unter, um der Verhaftung zu entgehen.

Manche Medien gaben sich erstaunt. Eine Nachrichtenagentur schrieb, der Vorfall habe das Image der Partei beschädigt. Dabei muss man sich fragen, warum das Image einer Partei, deren Emblem an ein Hakenkreuz erinnert und die sich als nationalsozialistisch bezeichnet, erst nach diesem Vorfall beschädigt sein soll. Bereits in der Vergangenheit machten Mitglieder der Chryssi Avgi mit Überfällen auf Migranten von sich reden. In den letzten Wochen haben sich die Übergriffe gehäuft. In Athen wurden mehrere Ausländer attackiert. Ein israelischer Journalist, der fotografierte, wie Migranten von maskierten und bewaffneten Männern gejagt wurden, wurde zusammengeschlagen. Die Übergriffe werden Anhängern von Chryssi Avgi zugeschrieben. Jüngster Vorfall ist ein Angriff auf vier Ägypter im Athener Vorort Perama.

Corona 95 berichtete vom Skandal, daß der oberste griechische Gerichtshof die Nazipartei Goldene Morgenröte für verfassungsgemäß erklärte, aber die monarchistische Partei Nationale Hoffnung vom Urnengang ausschloß.

Kronprinz Paul von Griechenland und seine Familie.

Der griechische Kronprinz Paul hat die Diskussionsplatform The Periscope Post (griechisch/englisch) geschaffen, wo er seine Ansichten zur Krise in seinem Heimatland der Öffentlichkeit zugänglich macht. Dort schreibt er:

Not all countries have the resources to be as industrially productive as Germany, but in the southern sphere of Europe, we at least need to consider a better work ethic and social responsibility. We need to pay our taxes, not cheat the system, and ensure that education is based not only on completing a high school diploma or baccalaureate, but also on bringing up socially responsible adults. If a population wishes to mirror some of the social benefits that northern European countries such as Germany, Denmark, and Sweden enjoy, then they must also recognize the need to be responsible to themselves, to their neighbours and to their governments. Similarly, governments can no longer try to gain votes by promising deals that will eventually bankrupt their own countries.

Die Überschrift seines Artikels muß einem nicht gefallen, aber seine Ansichten bringt er moderat vor und er sucht nicht den Schuldigen bei denen, die sich vielleicht durch die Überschrift aufdrängen könnten.

Wichtig bleibt vor allem die Tatsache, daß sich der griechische Kronprinz so einbringt, wie es die Möglichkeiten des Internets erlauben: Kein griechischer Politiker kann ihn mundtot machen. Kein Richter kann diese Meinungsäußerung verbieten. Noch ist Hoffnung für Griechenland, ΕΘΝΙΚΗ ΕΛΠΙΔΑ. 

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