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Griechen dürfen für keine monarchistische Partei stimmen

Am 6. Mai werden nicht nur die Franzosen einen Ersatzmonarchen bestimmen, die Griechen werden zeitgleich eine Parlamentswahl abhalten. Der oberste Gerichtshof hat dafür 32 Parteien zugelassen. Neben einem Dutzend sich als kommunistisch bezeichnenden Gruppierungen hat auch eine Nazipartei – Goldene Morgenröte – grünes Licht für den Urnengang erhalten. Vier Parteien wurde es verboten, sich dem Wahlvolk zu stellen, darunter die Nationale Hoffnung (ΕΘΝΙΚΗ ΕΛΠΙΔΑ ). Die Richter vermuteten in ihr eine monarchistische Partei und eine Monarchie, das ist nun wirklich nichts, was man den Griechen als Alternative anbieten dürfte.

In der vollständigen Liste der legalen Parteien, die die englischsprachige Zeitung Neoskosmos veröffentlichte, sind so phantasievolle Namen enthalten wie:

Communist Party of Greece (Marxist-Leninist)-Marxist-Leninist Communist Party of Greece (KKE (m-l)-ML KKE),

Anticapitalist Left Cooperation for the Overthrow (Antarsya),

Organisation of Communist Internationalists of Greece (OKDE),

Workers Revolutionary Party (EEK Trokskyists),

Organisation for the Reconstruction of the Communist Party of Greece (OAKKE).

Es ist eine Binsenwahrheit, aber sie soll an dieser Stelle wiederholt werden: In keiner einzigen konstitutionellen Monarchie Europas sind republikanische Parteien verboten. Im Vereinigten Königreich erstritt sich das Ein-Mann-Grüppchen „Republic“ sogar Sendezeit bei der BBC, weil es angeblich 19% der Briten repräsentiere, die gegen die Monarchie seien. Und Griechenland, das sich gerne als Wiege der Demokratie sieht, erlaubt einer monarchistischen Partei nicht die Teilnahme an der politischen Willensbildung und an Wahlen, wobei selbst im fragwürdigen Referendum von 1974 ein Drittel der Griechen für die Monarchie votierten.

Man könnte schlußfolgern, daß vielleicht die Griechen der Herrschaft ihrer Politikerdynastien überdrüssig sein könnten, aber die Republikaner darüber lieber nicht abstimmen lassen wollen. König Konstantin II. hat sich aus dem politischen Schlamassel weitgehend herausgehalten. Am 29. Februar gab er eine sehr kurze Erklärung zur Lage ab, sein ältester Sohn, Kronprinz Paul, ging in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN ausführlicher auf die Lage in seinem Heimatland ein, ohne sich zugunsten einer Parteilösung festzulegen.

Von Kurt Tucholzky stammt der Satz: Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten. Sollte er irgendwo zutreffen, dann im Mai 2012 in Griechenland.   H.S.

Der Adressat für ein Protestschreiben ist die Botschaft der Hellenischen Republik, Jägerstraße 54- 55, 10117 Berlin, Mail: info@griechische-botschaft.de 

 

Spanischer König entschuldigt sich

Es ist kein leichtes Jahr für König Juan Carlos I.. Nach dem mutmaßlichen Korruptionsskandal um seinen Schwiegersohn Iñaki Urdangarín  (Corona  berichtete in Ausgabe 89) und einem Jagdunfall seines 13-jährigen Enkels Felipe Juan hat sich der König jetzt bei einem weiteren Jagdunfall die Hüfte gebrochen. Das Problem dabei: Dies geschah in Botswana und kaum ein Spanier wußte, daß der König sich dort zum Jagen aufhielt – auch in der Regierung nicht. Nach einem anfänglichen Schock in der spanischen Öffentlichkeit wurde daher schnell Kritik laut, die sich darauf bezog, daß ein Jagdausflug nach Afrika bei einer Arbeitslosigkeit von über 20 % und Haushaltskürzungen von etlichen Milliarden € eventuell nicht das richtige Signal sei.

Der König entschloß sich daher zu einem Schritt, der in der Geschichte der spanischen Monarchie neu ist: In seinem ersten Interview nach seinem Krankenhausaufenthalt entschuldigte er sich. „Das Ganze tut mir wirklich sehr leid. Ich habe mich geirrt und es wird nicht wieder vorkommen.“

Was in der Kritik am König unterging, ist der Grund der Reise: Der König von Saudiarabien hatte ihn als Dankeschön zu dem Jagdausflug eingeladen, weil er den Bau einer Hochgeschwindigkeitslinie im Wert von 6 Milliarden € durch spanische Unternehmen vermittelt hatte. Ob ein spanischer Präsident wohl auch in der Lage gewesen wäre, der spanischen Wirtschaft Milliardenaufträge mit den arabischen Monarchien zu bescheren?

Trotzdem hat Juan Carlos I.  in einem Land, wo es nicht als moralisch falsch gilt, sich zu bereichern, während man an der Macht ist, ein wichtiges Zeichen setzen können. Während viele spanische Politiker nach Bekanntwerden von Korruptionsskandalen einfach weitermachen und schon gar keine Reue zeigen, hat der König sich für eine Sache entschuldigt, für die er sich nicht hätte entschuldigen müssen. Die große Mehrheit der Spanier sah dies dann auch als einen richtigen und wichtigen Schritt an, der die Monarchie wieder einmal von den Niederungen der Parteipolitik abhebt.   L.R.

 

Royalisten mischen in Frankreichs Wahlen mit

In einer jüngsten Verlautbarung erklärte ein monarchistischer Verbund in Deutschland: „Wir sind auch keine politische Vereinigung und streben dieses auch nicht an.“ Die deutsche Auffassung vom unpolitischen monarchistischen Verein steht in krassem Gegensatz zu Frankreich, das sich mitten im Wahlkampf befindet. Vor der ersten Runde der Präsidentenwahlen hatte die Nouvelle Action Royalist (NAR) zur Wahl von Nicolas Dupont-Aignan aufgerufen. Einen royalistischen Kandidaten gab es nicht, denn der Anwärter der Alliance Royale, Patrick de Villenoisy, hatte es nicht geschafft, die gesetzlich verlangten 500 Unterstützungsunterschriften von Würdenträgern des Staats beizubringen. Auch für das Endspiel der Bestplacierten am 6. Mai gab die NAR eine Empfehlung: François Hollande. Die Royalisten der NAR ziehen den Sozialisten dem Amtsinhaber Sarkozy vor. Der Aufruf ließ manche Augenbraue nach oben gehen.

Die Zersplitterung der monarchistischen Bewegung im Nachbarland ist legendär und hatte zur Folge, daß 1873 die Wiedereinführung der Monarchie in der Nationalversammlung an einer Stimme scheiterte. Heute findet nicht nur ein Wettstreit um den angeblich legitimen Thronanwärter statt, sondern die Royalisten (diesen Ausdruck ziehen die meisten französischen Anhänger des Königtums dem Begriff Monarchisten vor, denn dieser gilt als „technischer Ausdruck“, da er auch Bonapartisten einschließt) verteilen sich über das ganze politische Spektrum. So zieht es besonders Traditionalisten ins Lager des Front National. Die noch regierende UMP von Präsident Sakozy hat den prominentesten Royalisten in ihren Reihen: Frédéric Mitterrand. War sein Onkel ein Sozialist mit royalistischen Wurzeln (in seiner Jugend hatte er royalistische Flugblätter verteilt), wurde Frédéric Mitglied des Mouvement des Radicaux de Gauche. 2009 folgte er dem Lockruf der Macht und ließ sich von Sarkozy zum Kulturminister ernennen. Zuvor hatte er als französischer Seelmann-Eggebert Übertragungen von royalen Hochzeiten im Fernsehen kommentiert. Er produzierte auch sehr gute Dokumentationen über die europäischen Königshäuser und konnte interessante Interviewpartner gewinnen. Legendär ist sein Gespräch mit König Simeon II. der Bulgaren, der aus seinem Privatarchiv Filmaufnahmen aus dem Königreich Bulgarien zur Verfügung stellte.

Die NAR ist eine besondere Blume im royalistischen Garten. Von der alten Action française spaltete sich eine Gruppe 1971 zunächst unter dem Namen Nouvelle Action française ab. Bereits 1974 nahm ihr Sprecher, Bertrand Renouvin, an der Präsidentenwahl teil. Ab 1977 firmierte die Gruppe als Nouvelle Action royaliste und machte von sich reden, als sie 1981 zur Wahl von François Mitterrand aufrief. Sie wurde danach mit dem Etikett „rote Royalisten“ versehen. Wie jede Stereotypie ist diese Bezeichnung richtig und falsch. Die Wirklichkeit ist differenzierter. Gerade wenn es um Anhänger der Monarchie geht, finden sich bei näherer Betrachtung viele Nuancen.       H.S.

Die vollständige 95. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 95

Inhalt der 95. Corona-Ausgabe:

  • Royalisten mischen in Frankreichs Wahlen mit
  • Spanischer König entschuldigt sich
  • Griechen dürfen für keine monarchistische Partei stimmen
  • Norwegen zufrieden mit der Königsfamilie
  • Diamant Beau Sancy wird versteigert

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