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Verehrt. Verklärt. Verdammt. Verjährt?

Im Rahmen des Friedrichjahres ist im Deutschen Historischen Museum in Berlin die Ausstellung Verehrt. Verklärt. Verdammt. zu sehen, die sich für 8 € Eintritt auf zwei Etagen noch bis zum 29. Juli mit der Sichtweise der Vertreter verschiedener Epochen auf Friedrich den Großen beschäftigt. Der Bogen spannt sich dabei von der Zeit unmittelbar nach dem Tod des Königs über das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die beiden deutschen Staaten nach 1945, ohne dabei den Schwerpunkt auf eine bestimmte Epoche zu legen. Neben der Rolle als Politiker und Kriegsherr wird dabei auch die Sicht auf das Wirken des facettenreichen Monarchen in der Musik, der Philosophie und der Wirtschaft beleuchtet.

Da die Interpretation des Schaffens Friedrichs bereits der Inhalt der Ausstellung ist, enthalten sich die Schöpfer angenehmerweise einer eigenen Bewertung. So kann sich jeder Besucher „seinen Friedrich“ selbst erschaffen und selber entscheiden, worin für ihn das Erbe des Preußenkönigs besteht.

Leider hört die Ausstellung aber im wesentlichen mit der Rückführung der sterblichen Überreste des Königs nach Potsdam im Jahre 1991 auf – das ist immerhin schon über 20 Jahre her. Wie Friedrich in der jüngsten Vergangenheit gesehen wird, sagt die Ausstellung nicht. Im Grunde genommen ist dies aber konsequent, denn ein wesentlicher Bestandteil des heute offiziell gewünschten Umgangs mit Friedrich ist es, ihn nur noch als geschichtliche Figur zu zeichnen und zu leugnen, daß darüber hinaus noch etwas von ihm gelernt werden könnte. Ein kleiner Anhaltspunkt dafür, daß diese Auffassung einen Irrtum darstellt, ist aber auch in der Ausstellung zu finden: ein schriftliches Interview mit dem ehemaligen Bankier Ehrhardt Bödecker, in welchem er über die gesunden Staatsfinanzen der Regierungen des Soldatenkönigs und des Großen Königs schreibt – vor dem Hintergrund der Finanzkrise sicher ein brandaktuelles Thema.

Im Zusammenhang mit der Finanzkrise erwarten übrigens gerade die südlichen Länder Europas deutsche Führung, sind aber verunsichert und wütend, weil aus Berlin zwar sehr deutlich die Anweisung zum Sparen kommt, aber keine übergeordneten Visionen oder Ziele genannt werden, weil man sich in der deutschen Politik mit dem Führen schwertut. Als wirtschaftlich bedeutendstes und bevölkerungsreichstes Land der EU wird sich Deutschland aber nicht um seine Verantwortung für Europa drücken können. Friedrich, der der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts seinen preußischen Stempel aufdrücken konnte, hat für die Definition einer Führungsrolle sicher mehr Antworten zu bieten, als die seit Jahrzehnten auf sich selbst bezogene Bonner Karnevalsrepublik mit Sitz in Berlin und ist nicht nur in dieser Hinsicht alles andere als verjährt.   L.R.

 

Neuer König in Tonga: Siaosi Topou VI.

Die Nachricht, daß König George Tupou V. von Tonga am 18. März starb, kam für viele überraschend. Nach nicht einmal sechs Jahren auf dem Thron, mußten seine Untertanen von einem Herrscher Abschied nehmen, der seine politische Macht weitgehend ablegte und sich auf repräsentative Aufgaben beschränkte. Noch am 24. Februar wurde der protestantische Monarch von Papst Benedikt XVI. im Vatikan empfangen. Wie in einer Erbmonarchie üblich, wurde Kronprinz Tupouto’a Lavaka automatisch Nachfolger. Als König Tupou VI. bestieg er den Thron des seit 1970 aus britischer Protektoratsherrschaft in die volle Unabhängigkeit entlassenen Königreichs.

Im Pazifischen Ozean existieren eine Reihe von Monarchien, aber in der Region Polynesien konnte nur Tonga seine eigene Dynastie bewahren. Siaosi Taufaʻahau Tupou hatte 1845 alle Inseln Tongas zum polynesischen Königreich vereinigt. Siaosi Taufaʻahau Tupous Frau entstammte der Königslinie der Tuʻi Kanakopulu. Er ließ sich durch methodistische Missionare auf den Namen George Tupou taufen. 1875 wurde Tonga in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt, doch verlor das Königreich seine Unabhängigkeit am 18. Mai 1900, als es durch Freundschaftsvertrag zu einem britischen Protektorat wurde.

Tonga hatte 1876 mit dem Deutschen Reich einen Freundschaftsvertrag geschlossen, der seine Unabhängigkeit schützen sollte. Im Vertrag hieß es: Seine Majestät der Deutsche Kaiser, König von Preußen ec. im Namen des Deutschen Reichs einerseits, und der König von Tonga andererseits, von dem Wunsche geleitet, Ihre Beziehungen und Interessen gegenseitig zu fördern und zu befestigen, haben beschlossen, einen Freundschaftsvertrag abzuschließen.

Während der Vertrag in Deutschland aus dem Blickfeld geriet, nahm man ihn in Tonga sehr ernst. König Tupou IV. von Tonga besuchte 1977 Bonn, um den Vertrag zu erneuern: Der in Bonn am 1. Juni 1977 unterzeichnete Vertrag über freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Tonga ist nach Artikel 10, Abs. 2 am 2. Januar 1978 in Kraft getreten, die Ratifikationsurkunden sind am 2. Dezember 1977 in Nuku´alofa ausgetauscht worden. Der Vertrag wird nachstehend veröffentlicht. Anläßlich seines Bonnbesuchs sprach König Tupou IV. unvorsichtigerweise eine Einladung aus. Alle Deutschen, die dies wollten, könnten auf seinen Inseln siedeln und dort im Südseeparadies glücklich werden. Mit allzuvielen auswanderungswilligen Deutschen hatte der Monarch nicht gerechnet. Es meldeten sich aber so viele, daß die 100.000 Einwohnernation sich überfordert sah. Es wurde ein Numerus Clausus eingeführt und die meisten Deutschen, die ihr Glück auf den „Freundschaftsinseln“ suchen wollten, nahmen Abstand von ihrem Vorhaben.

Der neue König amtierte vor seiner Thronbesteigung als Hochkommissar (Botschafter) in der australischen Hauptstadt Canberra und hat ausgezeichnete Beziehungen zu Australien und Neuseeland. Vielleicht bietet der Thronwechsel einen Anlaß, daß sich Berlin auf die einst guten Kontakte nach Nuku‘alofa besinnt.   H.S.

 

Die vollständige 94. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 94

Inhalt der 94. Corona-Ausgabe:

  • Corona dankt Henning von Normann
  • Verehrt. Verklärt. Verdammt. Verjährt?
  • Neuer König von Tonga: Siaosi Tupou VI.
  • Stützenswerte Monarchie in Bahrain

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