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Wulff und die Halbwahrheiten

Es wäre ihm fast gelungen, sich als besonnener Vermittler zu etablieren, der anders als sein naßforsch agierender Vorgänger Horst Köhler das Bundespräsidentenamt so ausfüllt, wie es einmal gedacht war – als vermittelndes und repräsentierendes Gegenstück zum mit fast unbegrenzten Befugnissen ausgestatteten Reichspräsidentenamt der Weimarer Republik, fast wie ein parlamentarischer Monarch.

Dieses Image bekommt jetzt Risse, denn ähnlich wie Freiherr zu Guttenberg machte er sich die katzbuckelnde Haltung der Zivilgesellschaft vor den Politikern zunutze, die ihnen zahlreiche Vergünstigungen hinterherwirft – in einer Gesellschaft, die vom Mythos der Gleichheit der Menschen lebt und sich von einem vermeintlichen Untertanengeist früherer Zeiten abgrenzt, schon ein erstaunliches Verhalten. Was für Guttenberg die Möglichkeit war, trotz schlechter Noten eine Doktorabeit beginnen zu dürfen, ist für Wulff ein Privatdarlehen in Höhe von 500.000 €, welches er 2008 zu einem damals äußerst günstigen Zinssatz aufnahm. Das Darlehen wurde ihm angeblich von der Frau des Unternehmers Egon Geerkens gewährt. Das Heikle an der Sache: Die Frage, ob er irgendwelche geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens habe, der ihm für das Weihnachtsfest 2009 seine Villa in Florida überließ, wohin Wulff übrigens mit einem extra für Politiker verbilligten Flug von Air Berlin anreiste, verneinte Wulff im niedersächsischen Landtag. Dies entspricht wohl formell betrachtet der Wahrheit, denn das Darlehen wurde Wulff von der Unternehmersgattin gewährt, auch wenn Herr Geerkens an den Verhandlungen mit Wulff beteiligt war. Es ist aber ebenso klar, daß eine formelle Betrachtung hier bloße Wortklauberei wäre und damit nicht in Betracht kommt. Daß Wulff das Ganze selbst nicht geheuer war, beweist im übrigen, daß er das Darlehen in zeitlicher Nähe zu seiner Ernennung zum Bundespräsidenten kündigte.

Und so gibt sich der Bundespräsident wieder ruhig und besonnen und zeigt Verständnis für das Volk: Obwohl er wisse, daß sein Handeln einen schlechten Eindruck machen könne, habe er nicht falsch gehandelt. Später hieß es dann, er habe nicht richtig gehandelt, werde aber auch nicht zurücktreten. Das unsichere Verhalten und Herumlavieren von Wulff läßt indes irgendwie erahnen, daß es da wohl noch irgendwas aufzudecken gibt, was bis jetzt noch im Dunkeln liegt.

Vor Fällen von Vetternwirtschaft ist indes auch die Monarchie nicht gefeit: Der Ehemann der spanischen Infantin Cristina, Iñaki Urdangarín, soll öffentliche Gelder in Höhe eines sechsstelligen Betrages veruntreut haben. Das Königshaus reagierte trotz der Unschuldsvermutung aber ganz anders, als die bundesdeutschen Parteipolitiker: Künftig wird der Verwendungszweck des Geldes publiziert, welches die königliche Familie vom spanischen Staat bezieht. Außerdem wird es keine öffentlichen Auftritte mit Urdangarín mehr geben, der Ausschluß von Infantin Cristina aus der spanischen Thronfolge gilt als wahrscheinlich. In einem Land, wo die Parteipolitiker sich selbst kontrollieren, da sie alle bedeutenden Ämter im Staat okkupieren, ist die Lehre der Gewaltenteilung dagegen eine reine Chimäre.  L.R.

 

Dein Genozid, nicht mein Genozid

Alle Proteste aus der Türkei haben nicht gefruchtet. Am 22. Dezember nahm die französische Nationalversammlung, beziehungsweise die schätzungsweise zehn Prozent der Abgeordneten, die während der Sitzung anwesend waren, mit Mehrheit ein neues Gesetz an, das die Leugnung des Völkermords an den Armeniern während des 1. Weltkriegs unter Strafe stellt. Künftig kann in Frankreich jemand mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr und einer Geldbuße bis zu 45.000 € geahndet werden, der bezweifelt, daß unter der Verantwortung der jungtürkischen Regierung einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts verübt wurde und bei Massakern und Todesmärschen, die im wesentlichen 1915 und 1916 stattfanden, nach türkischen Angaben 300.000, nach armenischen Schätzungen mehr als 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Von Oppositionspolitikern wurde eingewandt, das Gesetz sei kurz vor den Präsidentschafts– und Parlamentswahlen 2012 nur verabschiedet worden, um die Stimmen der rund 500.000 armenienstämmigen französischen Wähler zu gewinnen. Daß der türkische Ministerpräsident alle Beziehungen zu Frankreich für beendet erklärte und den türkischen Botschafter nach Ankara zurückberief, wurde in Kauf genommen.

Während über den Völkermord an den Armeniern in Frankreich weitgehend Einigkeit herrscht, tut sich das Land mit einem Genozid auf französischem Boden viel schwerer: Den Ausrottungsfeldzug gegen die royalistischen Bewohner der Vendée 1793/94 zu erwähnen, gilt als Tabu. Von 800.000 Einwohnern dieses westfranzösischen Landstrichs vor dem Aufstand gegen das republikanische Terrorregime starben binnen zwei Jahren 200.000, was das deutschsprachige Wikipedia lapidar abtut: „Einige Historiker in Frankreich meinen, dass es sich dabei um Völkermord gehandelt habe.“ Nicht unähnlich anderen Völkermordleugnern realtivieren die Wikipedia-Autoren: „[Reynald Secher] sieht in diesem Bevölkerungsverlust einen Völkermord im Sinne des Nürnberger Prozesses. Solche und andere Schlussfolgerungen übersehen jedoch leicht, dass aus einer Bevölkerungsabnahme selbst dieser Größenordnung nicht zwingend geschlossen werden kann, dass alle diese Bewohner umgekommen sind, auch deshalb, weil beispielsweise über Flüchtlingsströme aus der Vendée keine wirklich gesicherten Daten vorliegen. Andere Schätzungen gehen aus diesem Grund davon aus, dass die Zahl der Opfer in der Vendée weniger als die Hälfte der oben genannten Zahl [117.000 Bewohner] beträgt, was die Dimension des Mordens in der Vendée während der Revolutionsära aber immer noch als beispiellos dastehen lässt.“

Im francophonen Wikipedia ist man weniger auf Jakobinerlinie. Dort finden sich zahlreiche Hinweise auf die systematische Ausrottung der königstreuen Bevölkerung. Ruft man gar die Vendée-Kriege-Webseite auf, erfährt man Details über den jakobinischen Terror: „Die Nationalversammlung hatte am 1. August 1793 beschlossen, den Oberbefehlshaber, General Turreau, mit Brennstoff in die Vendée zu entsenden, um die Wälder, das Unterholz und die Büsche anzuzünden. Die Wälder sollen abgeholzt, die Rückzugsgebiete der Rebellen vernichtet, die Halme abgeschnitten und die Haustiere konfisziert werden. Die rebellische Rasse soll ausgelöscht, die Vendée zerstört werden.“ Vielleicht sollte die Türkei die Leugnung des Genozids in der Vendée unter Strafe stellen.  H.S.

Die vollständige 89. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit: Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 89

Inhalt:

Wulff und die Halbwahrheiten

Kommunistische Erbdynastie in Korea?

Zu Weihnachten wird Corona fünf Jahre alt

Frankreich und die Türkei: Dein Genozid, nicht mein Genozid

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